M. Veith, M. Gasthauer, M. Zimmer, V. Huch
Experimenteller Teil
Alle Umsetzungen fanden unter getrocknetem Stickstoff als Inert-
gas statt. Die Lösemittel wurden nach den üblichen Standardver-
fahren getrocknet und unter Stickstoff und Natriumdraht aufbe-
wahrt. Die C-, H-, N-Analysen wurden mit einem CHN-900
Elemental Analysator, Fa. Leco Corporation (St. Joseph, Mi,
USA), ausgeführt. Die Bestimmung des Zinngehaltes erfolgte
durch komplexometrische Titration. Die 1H-, 13C-, 29Si- und 119Sn-
NMR-Spektren registrierten wir auf den Bruker-Geräten AC200
und Avance400. Die Aufnahme der 29Si-Spektren erfolgte mittels
der refokussierenden INEPT Pulssequenz. Die 119Sn CP/MAS
Spektren wurden auf einem Bruker MSL200 erhalten. Die MAS-
Rotationsfrequenz wurde zur Bestimmung des isotropen Shifts zwi-
schen 3.0 und 4.7 KHz variiert. Die angegebenen chemischen Ver-
schiebungen sind auf die primären Standards TMS (1H, 13C, 29Si)
und Tetramethylstannan (119Sn) bezogen. Im Festkörper-NMR
verwendeten wir als sekundären Standard Tetracyclohexylstannan.
Abb. 2 Darstellung der Elementarzelle mit den beiden inversions-
verknüpften Molekülen (ohne Methylgruppen und Wasserstoff-
atome) mit Angabe der absoluten Konfigurationen der Zinnatome
nach CIP-Konvention [14].
Einkristallstrukturanalyse von
[Sn{N(SiMe3)2}CH2SiMe2N(SiMe3)]2 (1)
Röntgenstrukturanalyse von C24H70N4Si8Sn2 (1), gelbe Kristalle,
M ϭ 876.94 g molϪ1; triklin, Raumgruppe P1: a ϭ 12.215(2), b ϭ
¯
˚
12.394(3), c ϭ 17.733(4) A, α ϭ 85.05(3), β ϭ 75.93(3), γ ϭ
Das resultierende Enantiomerenpaar (RR und SS) ist
NMR-spektroskopisch nicht zu unterscheiden. Das bezüg-
lich der Sn-Sn-Bindung trans-Isomere (in Bezug auf die
Stellung der Hexamethyldisilazyl-Liganden) mit R,S bzw.
S,R-Konfiguration stellt dem gegenüber ein Diastereome-
renpaar dar und würde im NMR zu einem zweiten Signal-
3
63.74(3)°, V ϭ 2334.6(8) A , Z ϭ 2, µ(MoKα) ϭ 1.293 mmϪ1, T ϭ
˚
200 K, F(000) ϭ 908. Die Datensammlung erfolgte auf einem Stoe
IPDS Diffraktometer. Es wurden 14313 Reflexe bis 2θmax ϭ 48°
gemessen, davon wurden 6651 unabhängige für die Berechnungen
verwendet. Die Strukturlösung erfolgte mit direkten Methoden,
und bei der Verfeinerung wurden allen Nichtwasserstoffatomen
anisotrope Temperaturfaktoren zugeordnet [15]. Die Wasserstoff-
atome wurden als starre Gruppe mit den zugehörigen Kohlenstoff-
atomen behandelt. Die Verfeinerung führte für I > 2σ(I) zu einem
endgültigen Wert von R1 ϭ 0.028, wR2 ϭ 0.073. Ein vollständiger
Datensatz als Ergebnis der Strukturbestimmung ist hinterlegt [16].
1
satz führen, den man jedoch nicht findet. Das H-NMR-
Spektrum zeigt der C2-Molekülsymmetrie des freien Mole-
küls entsprechend ein Signal für die beiden Trimethylsilyl-
gruppen der N(SiMe3)2-Einheit (36H), was eine freie Dreh-
barkeit um die Sn-N-Achse anzeigt, und eines für die
N(SiMe3)-Gruppe (18H) an den Fünfringen. Die relativ zu
den gegenüberliegenden Fünfringen cis bzw. trans angeord-
neten SiMe2-Gruppen liefern, wie erwartet, zwei Singuletts.
Die Methylengruppe, welche aus dem Ringschluss resul-
tiert, wird durch die Nachbarschaft zum asymmetrischen
Zinn zur prochiralen Gruppe. Es werden im 1H-NMR zwei
Dubletts mit dem typischem Dacheffekt des AB-Systems
beobachtet. Im 13C-NMR werden für die CH2-Gruppe zwei
Die Synthese von
[Sn{N(SiMe3)2}CH2SiMe2N(SiMe3)]2 (1)
Zu 5.3 g (2.5 mmol) der Verbindung (Ph2SiO)8(AlO(OH))4 [1] in
10 ml Toluol tropft man innerhalb von 30 Minuten 12 g
(27.3 mmol) Sn[N(SiMe3)]2 [6] gelöst in 15 ml Toluol. Die Lösung
wird nun unter stetiger Erhöhung der Ölbadtemperatur bis auf
160 °C innerhalb der ersten 6 h unter ständigem Rühren refluxiert.
Nach weiteren 150 h Refluxieren bei 160 °C Badtemperatur lässt
man die Lösung abkühlen und trennt den entstandenen Nieder-
schlag, der verworfen wird, ab. Nach Entfernen aller flüchtigen Be-
standteile unter reduziertem Druck bleibt ein gelber Feststoff zu-
rück. Zu diesem gibt man 100 ml Hexan, rührt die Suspension
einige Minuten bei Raumtemperatur und filtriert von ungelösten
Bestandteilen. Beim Einengen der Lösung auf 20 ml fallen 2.1 g
(40 %) eines farblosen Feststoffs aus, der als (Ph2SiO)8(AlO2)4Sn2
[5] charakterisiert wird. Nach dem Abtrennen wird das Filtrat vom
Lösemittel befreit und der gelbliche, zähflüssige Rückstand einer
Kugelrohrdestillation bei 170 °C unterworfen. Nach dem Abkühlen
des Destillats erhält man 3.6 g (30 %) als gelblichen, kristallinen
Feststoff 1. C24H70N4Si8Sn2 (Molmasse: 876.95) C 32.13 (ber:
32.87), H 8.83 (8.05), N 5.70 (6.39), Sn 26.88 (27.07) %.
1
Sätze von 117/119Sn-Satelliten als Folge der J(Sn-C)-Kopp-
2
lung und der J(C-Sn-Sn)-Kopplung (über die Sn-Sn-Bin-
dung) hinweg gefunden. Analoges zeigt sich im 29Si-NMR-
Spektrum, wo ebenfalls zwei Kopplungen zu den beiden in
diesem Falle magnetisch (nicht chemisch) unterschiedlichen
Zinnatomen gefunden werden (vgl. exp. Teil). Im 119Sn-
Spektrum findet man eine mit 9529 Hz sehr große 1J(117Sn-
119Sn)-Kopplungkonstante, welche die ungewöhnlich kurze
˚
Sn-Sn-Einfachbindung widerspiegelt, die mit 2.737(2) A
deutlich in den Bereich von SnϭSn-Doppelbindungslängen
reicht [13, 14]. Die bei 74.6 MHz und verschiedenen MAS-
Rotationsfrequenzen aufgenommen 119Sn-CP/MAS-Spekt-
ren der kristallinen Substanz zeigen übereinstimmend mit
dem Spektrum des gelösten Moleküls einen isotropen Shift
von 37.5 ppm sowie eine skalare Zinn-Zinn-Kopplung
1J(117Sn119Sn) von 9500 (35) Hz.
1H-NMR (400 MHz, C6D6) δ ϭ 0.326 (s, 6 H, SiCH3CH3), 0.336 (s, 36 H,
N(Si(CH3)3)2), 0.354 (s, 18 H, NSi(CH3)3), 0.461 (s, 6 H, SiCH3CH3), 0.515,
0.548, (d, 2 H, SnCH2), 0.600, 0.632 (d, 2 H, SnCH2), 2J(AB) ϭ 12.6 Hz.
2276
2007 WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim
Z. Anorg. Allg. Chem. 2007, 2274Ϫ2277