A. Haug, J. StraÈhle, [Re(NH)Cl2(PMe2Ph)3][TaCl6] und [(Me2PhP)3Cl2Re≡N]2VOCl2
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taÈt gegenuÈber Lewis-SaÈuren schon mehrfach unter-
sucht wurde [5±10]. In der vorliegenden Arbeit
berichten wir uÈber die Reaktionen von ReNCl2 ´
(PMe2Ph)3 mit TaCl5 und VCl3(THF)3.
ist damit gegenuÈber der entsprechenden Schwingung
des Edukts (1061 cm±1 [3]) nur gering langwellig ver-
schoben. Aufgrund der lokalen Symmetrie C4v am
Tantalatom erwartet man drei Ta±Cl-Valenzschwin-
gungen mit den Rassen 2 A1 und E. Sie werden
bei 340 (st), 328 (sst) und 301 cm±1 (m) beobachtet.
m(Re±Cl) ist mit 279 cm±1 gegenuÈber der entsprechen-
den Schwingung des Edukts nicht wesentlich verscho-
ben.
Das FD-Massenspektrum von 2 belegt die leichte
Spaltbarkeit der NitridobruÈcke. Man findet Massen,
die dem Komplexteil [ReNCl2(PMe2Ph)3)]+ (15%)
oder den daraus resultierenden Fragmenten [ReNCl ´
(PMe2Ph)3]+ (100%) und [ReNCl2(PMe2Ph)2]+ (3%)
zugeordnet werden koÈnnen.
Ergebnisse und Diskussion
Synthese und Eigenschaften von
[Re(NH)Cl2(PMe2Ph)3][TaCl6] (1),
Re(NTaCl5)Cl2(PMe2Ph)3 (2),
[Re2N2Cl4(PMe2Ph)5]VCl3 (3)
und [(Me2PhP)3Cl2Re≡N]2VOCl2 (4)
Die Reaktion von ReNCl2(PMe2Ph)3 mit TaCl5
nimmt in AbhaÈngigkeit vom verwendeten LoÈsungs-
mittel einen unterschiedlichen Verlauf. In CH2Cl2
oder CHCl3 wird der Nitridoligand protoniert und
es bildet sich [Re(NH)Cl2(PMe2Ph)3][TaCl6] (1) als
luftstabile rotbraune Verbindung. Zum Beweis, daû
das dabei addierte MolekuÈl HCl nicht aus einer moÈgli-
chen Hydrolyse von TaCl5 resultiert, sondern durch
Zersetzung des LoÈsungsmittels erzeugt wird, haben
wir die Reaktion in CDCl3 durchgefuÈhrt und
[Re(ND)Cl2(PMe2Ph)3][TaCl6] erhalten. In reinem
Toluol entsteht hingegen der Zweikernkomplex
[Re(NTaCl5)Cl2(PMe2Ph)3] (2) mit einer NitridobruÈk-
ke zwischen Rhenium und Tantal.
Im IR-Spektrum von 1 liegt die NH-Valenzschwin-
gung bei 3130 cm±1. Im deuterierten Komplex findet
man stattdessen m(ND) im erwarteten Bereich bei
2356 cm±1 als mittelstarke Absorption. Die Re±N-Va-
lenzschwingung, die im Edukt ReNCl2(PMe2Ph)3 bei
1061 cm±1 auftritt [3], wird durch die Protonierung um
etwa 60 Wellenzahlen zu kleineren Werten verscho-
ben. Man findet eine aufgespaltene Bande bei 1000/
1006 cm±1. Entsprechend der Oh-Symmetrie des
Anions zeigt das IR-Spektrum nur die Ta±Cl-Valenz-
schwingung der Rasse F1u als sehr starke Absorption
bei 322 cm±1. m(Re±Cl) tritt bei 282 cm±1 auf.
2 ist diamagnetisch mit einer MolsuszeptibilitaÈt von
vMol = ±519 ´ 10±6 emu/mol. Dementsprechend sind die
zwei freien d-Elektronen des ReV-Zentrums wie bei 1
gepaart.
Bei der Reaktion von ReNCl2(PMe2Ph)3 mit
VCl3(THF)3 in Toluol erhaÈlt man nach dem Abziehen
des LoÈsungsmittels eine sehr luftempfindliche rotbraune
Verbindung, deren Elementaranalyse auf die Zusam-
mensetzung [Re2N2Cl4(PMe2Ph)5]VCl3 (3) fuÈhrt. Die
Verbindung ist paramagnetisch mit einem magnetischen
Moment von lexp. = 2,98 B.M. bei 300 K. Unter der An-
nahme, daû die freien Elektronen am ReV-Zentrum ge-
paart vorliegen, ist dieser Wert in guter Ûbereinstim-
mung mit der Erwartung fuÈr die zwei ungepaarten
Elektronen am dreiwertigen Vanadium.
An Luft wird 3 leicht oxidiert. Wir beobachten die
Oxidation auch bei der Kristallisation aus der Mutter-
lauge. Es bilden sich luftstabile, rotbraune Kristalle
von [(Me2PhP)3Cl2Re≡N]2VOCl2 (4). Die Messung
der magnetischen Eigenschaften der Kristalle von 4
ergibt nun ein gegenuÈber dem Wert von 3 reduziertes
magnetisches Moment von lexp. = 2,08 B.M. bei 300 K.
Es kommt dem theoretischen Wert fuÈr ein ungepaar-
tes Elektron (1,73 B.M.), wie es fuÈr Vanadium(IV) zu
erwarten ist, nahe. Bei der Auswertung wurde der
Komplexteil VOCl2 nach der Inkrementmethode
nach Klemm [11] beruÈcksichtigt, waÈhrend fuÈr
ReNCl2(PMe2Ph)3, das als Substanz einen tempera-
turunabhaÈngigen Paramagnetismus von vmol = +180 ´
10±6 emu/mol zeigt, der experimentelle Wert einge-
setzt wurde.
Im FD-Massenspektrum von 1 werden keine Frag-
mente mit einem protonierten Nitridoliganden nach-
gewiesen. Offensichtlich wird das Proton leicht abge-
spalten. Als staÈrkste Signale findet man [ReNCl2 ´
(PMe2Ph)3]+ (15%), [ReNCl(PMe2Ph)3]+ (100%) und
±
[ReNCl2(PMe2Ph)2]+ (80%). Das Anion TaCl6 wird
Im IR-Spektrum von 4 tritt m(Re±N) bei 1054 cm±1
(sst) auf. m(V±O) wird bei 1002 cm±1 (st) registriert.
Die V±Cl-Schwingungen ordnen wir mittelstarken
Absorptionen bei 425 und 434 cm±1 zu, waÈhrend
m(Re±Cl) bei 275 cm±1 liegt.
Das FD-Massenspektrum zeigt als intensivstes
Signal den Rheniumnitrido-Komplexteil [ReNCl2 ´
(PMe2Ph)3]+, sowie dessen Fragmente [ReNCl ´
(PMe2Ph)3]+ mit 15% und [ReNCl2(PMe2Ph)2]+ mit
10%. HoÈhere Massen, die auf eine intakte Nitrido-
bruÈcke hinweisen, werden nicht beobachtet.
im FAB±-Massenspektrum bei m/z = 393 als staÈrkstes
Signal beobachtet.
1 ist diamagnetisch mit vmol = ± 431 ´ 10±6 emu/mol.
Somit sind die beiden d-Elektronen des ReV-Zen-
trums gepaart, wie dies beim Vorliegen einer Re±N-
Dreifachbindung zu erwarten ist, da fuÈr die freien d-
Elektronen nur ein Orbital verfuÈgbar ist.
2 faÈllt bei der Darstellung aus der Toluol-LoÈsung
als rotbraunes, mikrokristallines Pulver aus, das an
Luft weitgehend stabil ist. Im IR-Spektrum wird die
Re±N-Valenzschwingung bei 1034 cm±1 registriert. Sie