F. Kubel, B. Dundjerski
bei 50 °C im ReaktionsgefaÈû Polyethylenbecher belassen.
Der schwer filtrierbare Niederschlag wurde nach dem
Dekantieren und Filtrieren gewaschen und bei 120 °C im
Trockenschrank getrocknet. In einem typischen Experiment
wurden 6.348 g Sr6NO3)2, 15.385 g Mg6NO3) ´ 6 H2O und
17.649 g NaF 6MolverhaÈltnis ~1 : 2 : 14) in jeweils 200 ml
Wasser eingesetzt. Die Reaktion verlaÈuft, auf die Erdalkali-
Menge bezogen, quantitativ. Der eingesetzte groûe Ûber-
schuss an NaF verhindert die Bildung von SrF2 6siehe
unten). Das RoÈntgendiagramm des erhaltenen Reaktions-
produktes zeigt keine kristallinen Fremdphasen 6siehe Ab-
bildung 1).
FestkoÈrpersynthesen aus den binaÈren Fluoriden 6bei stoÈ-
chiometrischem Ansatz) wurden bei verschiedenen Tem-
peraturen bis 850 °C versucht, fuÈhrten aber ebensowenig zu
der gewuÈnschten Titelverbindung wie Hydrothermalsynthe-
sen 6250 °C; Proportion der Ausgangsprodukte wie bei der
FaÈllungsreaktion).
Tabelle 1 Kristallographische Daten und Angaben zur Da-
tensammlung und Kristallstrukturverfeinerung NaSrMg2F7
Diffraktometer
Strahlung; WellenlaÈnge CuKa1,2/A
Raumgruppe 6Nr.)
Philips X'Pert
1.54056; 1.54439
Fd 3 m 6227,2)
Ê
Gitterparameter korrigiert
6Si als interner Standard)
Ê
a/A
10.437964)
1137.21613)
8
292.21
3.413
5±120
0.02°
10
Ê 3
V/A
Z
Molekulargewicht/g mol±1
RoÈntgendichte/g ´ cm±3
Messbereich 2 h/°
Schrittweite
Messzeit/Schritt
Strukturverfeinerung
RBragg
Rp
Rexpected
GoF-Index:
FULLPROF [7]
0.057
0.056
0.041
1.8
RoÈntgenographische Untersuchungen
Zur Strukturbestimmung wurde ein Pulver-Diffraktogramm
von mikrokristallinem NaSrMg2F7 aufgenommen. Kristallo-
graphische Daten, Mess- und weitere relevante Parameter
der Pulververfeinerung sind in Tabelle 1 angefuÈhrt. Die
Atomparameter sind aus Tabelle 2, ausgewaÈhlte interato-
mare AbstaÈnde aus Tabelle 3 ersichtlich. Zur Korrektur der
Gitterkonstanten wurde das Diffraktogramm einer Probe,
vermengt mit Siliciumpulver 6TeilchengroÈûe < 10 lm, a =
Tabelle 2 Atomkoordinaten und isotrope Auslenkungs-
Ê 2
parameter/A von SrNaMg2F7 berechnet aus Pulverdaten.
6e.s.d. in Klammern), Biso = 8p2u2
Wyckofflage
x/a
y/b
z/c
Biso
Pop
Sr
16 c
16 c
16 d
48 f
8 a
0
0
0.5
0
0
0
0
3.9364)
3.9364)
1.3065)
2.0363)*
2.0363)*
0.5
0.5
1.0
1.0
1.0
Na
Mg
F1
F2
0.5
0.125
0.125
0.5
0.125
0.125
0.42807613)
0.125
Ê
5,43083 A) als internem Standard gemessen und verfeinert.
Die Rietveldanalysen der erhaltenen Beugungsdaten wurden
mit dem Programm FULLPROF99 [7] durchgefuÈhrt. Als
Startparameter fuÈr die Atomlagen wurden die standardisier-
ten Strukturdaten der isotypen Verbindung Hg2Zn2F6O [8]
verwendet. Die bei der Verfeinerung erhaltenen Atomlagen
weichen nur geringfuÈgig von den Parametern anderer Pyro-
chlorverbindungen ab [9]. Die Wyckofflage 16 c ist statistisch
jeweils zur HaÈlfte mit Sr2+ und Na+ besetzt.
Da aus den vorliegenden Pulveraufnahmen nicht zwischen
moÈglichen Zusammensetzungen wie NaSrMg2F7, NaSrMg2F6OH
bzw. NaSrMg26F5OH)F oder 6Mg,Sr)Mg2F6O und ihren
Mischphasen unterschieden werden kann, wurden weitere
roÈntgenographische Phasenanalysen zur Absicherung der
vorgenommenen Synthese und der Zusammensetzung durch-
gefuÈhrt: Aus einem stoÈchiometrischen Ansatz der FaÈllung
von NaSrMg2F7 ergab die quantitative Phasenanalyse des
getrockneten Filtrats 6in Massen%) 99.7% NaNO3 und
0.3% SrF2, d. h. die eingesetzten Fluoridionen befinden sich,
abgesehen von SrF2-Spuren, vollstaÈndig in der Titelverbin-
dung.
* constraint
Ê
Tabelle 3 AusgewaÈhlte interatomare AbstaÈnde/A 6e.s.d. in
Klammern)
Na, Sr±F1 66 ´)
Na, Sr±F2 62 ´)
Mg±F1 66 ´)
F1±F1 66 ´)
2,61961)
2.26061)
1.99265)
2.72561)
2.90761)
F1±F1 66 ´)
IR-Spektroskopie. Zur IR-spektroskopischen Analyse wurde
die Probe zunaÈchst bei 200 °C im Vakuum getrocknet. Dabei
wurde ein Gewichtsverlust von etwa 1% gemessen, es han-
delt sich vermutlich um die Abgabe von oberflaÈchenadsor-
biertem Wasser. Strukturelle Ønderungen wurden nicht be-
obachtet. Das IR-Spektrum 6Nujol-Verreibung) zeigt keine
Signale von OH-Streckschwingungen, welche adsorbiertem
Wasser oder gebundenen OH-Gruppen zugeordnet werden
koÈnnten. Eine Metall±Fluor-Schwingung 6vermutlich eine
Mg±F-Bande) wurde bei 460 cm±1 beobachtet 6KBr Press-
ling).
Analysen. Durchmesser der Kristallite wurde nach dem
Debye-Verfahren [10] zu etwa 20±30 nm abgeschaÈtzt. Im Ge-
gensatz dazu zeigt die Elektronenmikroskopieaufnahme
TeilchengroÈûen von etwa 0.25 lm; die Partikel sind in erster
NaÈherung kugelfoÈrmig 6siehe Abbildung 2). An der Probe
durchgefuÈhrte EDX Analysen liefern Signale der Elemente
Sr, Mg und Na; ein schwaches dem Element Fluor zugeord-
netes Signal wurde ebenfalls gefunden.
FestkoÈrper MAS-NMR Spektroskopie. Ein sehr schwaches
und breites 1H-MAS-NMRSignal der im Trockenschrank
getrockneten Probe zeigt noch geringe Spuren von adsor-
biertes Wasser an; dieses Signal wird nach dem Trocknen im
Hochvakuum weiter stark abgeschwaÈcht. Das 1H-MAS-
NMRSpektrum gibt jedoch keine Hinweise auf die Anwe-
senheit von chemisch gebundener OH± Gruppen. Ein brei-
Atomabsorptionsanalyse. Das Kationen-VerhaÈltnis in der
Verbindung wurde quantitativ mittels Atomabsorptionsana-
lyse untersucht. Die Analysenergebnisse weichen nur wenig
von dem berechneten Wert ab 6Mg/Sr/Na = 2.00/0.99/1.04).
1590
Z. Anorg. Allg. Chem. 2001, 627, 1589±1592