Ein neuer Zugang zu Silberbismutaten
C. P. M. Oberndorfer und M. Jansen*
Stuttgart, Max-Planck-Institut für Festkörperforschung
Bei der Redaktion eingegangen am 13. Februar 2002.
Inhaltsübersicht. Ag2BiO3, Ag3BiO3, Ag5BiO4 und Ag25Bi3O18 wa-
ren bisher nur über Hochdrucksynthesen zugänglich. Hier wird
über eine einfachere und schnellere Syntheseroute durch die Reak-
tion von Oxiden in konzentrierten KOH-Lösungen berichtet, die
phasenreine Pulver liefert. Die Ergebnisse der chemischen Analyse,
sowie der röntgenographischen und thermoanalytischen Untersu-
chungen werden vorgestellt.
A New Approach to Silverbismuthates
Abstract. So far, Ag2BiO3, Ag3BiO3, Ag5BiO4, and Ag25Bi3O18
were only accessible through high pressure syntheses. A much more
convenient synthesis route for these phases by reacting solid oxides
in highly concentrated aequeous solutions of KOH is presented
here. In each case single phased powders have been obtained, which
were characterized by chemical analysis, x-ray diffraction and ther-
moanalysis.
Keywords: Bismuthates; Silverbismuthate; Mixed-valent com-
pounds
Einleitung
tät der binären Silberoxide erschwert. Klassische Hochtem-
peratur-Festkörperreaktionen führen im allgemeinen nicht
zum Ziel. Als Alternativen haben sich im wesentlichen zwei
Verfahren bewährt. Hohe Sauerstoffpartialdrücke während
der Synthesen wurden erfolgreich angewendet, um das Sil-
beroxid auch bei hohen Temperaturen zu stabilisieren und
auf diese Weise eine festkörperchemische Umsetzung mit
anderen Metalloxiden zu ermöglichen. Ein Großteil der be-
kannten Silberbismutate konnte auf diesem Weg syntheti-
siert und strukturell aufgeklärt werden [2, 3, 4, 5]. Ein zwei-
ter Weg eröffnet sich durch Fällungsreaktionen, die bei
Raumtemperatur durchgeführt werden können und feinkri-
stalline Pulver liefern. Beispiele hierfür sind Ag2PbO2 [7]
und Ag2Cu2O3 [8]. Eine erwähnenswerte Ausnahme von
diesen Strategien zeigt sich für die Darstellung von AgBiO3,
das unter Normalbedingungen durch eine Ionenaustausch-
reaktion von KBiO3 dargestellt werden kann [6]. Die hier
vorgestellte Methode der Umsetzung der Oxide in stark al-
kalischen Medien ist eine neue Variante und eröffnet einen
stark vereinfachten Zugang zu Silberoxobismutaten.
Bisherige Untersuchungen an Silberoxobismutaten offenba-
ren eine facettenreiche Strukturchemie. Die silberreichen
Vertreter dieser Verbindungsklasse zeigen Ausordnungen
der d10-konfigurierten Silberionen zu größeren Verbänden,
die auf eine direkte Wechselwirkung hinweisen [1]. Dies
führt zu AgϪAg-Abständen, die nahe denen im metalli-
schen Silber sind. Die BiϪO-Teilstrukturen zeigen eine
große Vielfalt. Für die Koordination von BiIII dominiert
das Motiv der quadratischen Pyramide, die zu Dimeren
(Ag5BiO4, [2]), Hexameren (Ag3BiO3, [2]) oder Ketten
(Ag4Bi2O5, [3]) verknüpft sein kann. In dem gemischtvalen-
ten Ag25Bi3O18 [4] liegen isolierte Polyeder vor und die ent-
sprechenden Oxidationsstufen sind kristallchemisch unter-
scheidbar. Bismut(V) ist oktaederisch und Bismut(III) in ei-
ner trigonalen (3ϩ3) Koordination von Sauerstoff umge-
ben. Dagegen findet man in Ag2BiO3 [5] Stränge aus
kantenverknüpften Oktaedern, deren Zentralion nur einer
Punktlage zugeordnet werden kann. AgBiO3 [6], die einzig
bekannte Verbindung in dieser Reihe, die ausschließlich BiV
enthält, ist isostrukturell zu KBiO3 und aus regelmäßigen,
über eine Kante dimerisierten BiO6-Oktaedern aufgebaut.
Die Darstellung der Silberbismutate ist ebenso wie die
anderer ternärer Silberoxide durch die thermische Instabili-
Experimentelles
Verwendete Chemikalien: Ag2O wurde durch Fällung aus einer sal-
petersauren Silbernitratlösung durch Zugabe einer 2 M KOH-
Lösung hergestellt. Der Niederschlag wurde abgesaugt, mehrfach
gewaschen und unter Lichtschutz über festem KOH getrocknet.
AgBiO3 wurde nach [6] hergestellt, röntgenographisch auf Phasen-
reinheit untersucht und unter Lichtschutz über P2O5 aufbewahrt.
Als Bismutkomponente diente Bi2O3 der Firma Chempur (99.8 %).
* Prof. Dr. M. Jansen
Max-Planck-Institut für Festkörperforschung
Heisenbergstr. 1
D-70569 Stuttgart
Tel: 0711/689-1500
Fax: 0711/689-1502
e-mail: jansen@fkf.mpg.de
Ag3BiO3, Ag5BiO4: Bi2O3 und Ag2O wurden im molaren Verhält-
nis 3:1 bzw. 5:1 eingewogen, innig verrieben und in einen bedeckten
Teflontiegel (5 ml Volumen) gefüllt. Typische Einwaagen betrugen
ca. 800 mg für Bi2O3. Die Mischung wurde mit 2 ml 60 %iger KOH
Z. Anorg. Allg. Chem. 2002, 628, 1951Ϫ1954 WILEY-VCH Verlag GmbH, 69451 Weinheim, Germany, 2002 0044Ϫ2313/02/628/1951Ϫ1954 $ 20.00ϩ.50/0
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