H. Stegen, H. Jacobs
Oxonitridometallate beschrieben. Ûberwiegend sind
die Zentralteilchen (M6+) tetraedrisch von N bzw.
N/O umgeben. Solche Tetraeder [MX4] mit X = N, O
treten z. B. in Alkalimetalloxonitridometallaten(VI)
des Mo und W in variantenreichen Kondensations-
mustern auf: Isolierte Tetraeder [2], Tetraederdoppel
[16], eindimensionale Ketten von Tetraedern [2],
Schichten [10] bis zu dreidimensionalen Netzwerken
[11]. Die VerknuÈpfung der Tetraeder erfolgt aus-
schlieûlich uÈber Spitzen [27]. Mit den im Titel genann-
ten Verbindungen haben wir neuartige, dreidimensio-
nal verknuÈpfte Nitridometallate hergestellt und
roÈntgenographisch charakterisiert. Ihre aus den Struk-
turuntersuchungen erhaltene Zusammensetzung ist
uÈberraschend. Synthese, Struktur und Eigenschaften
von drei isotypen Verbindungen dieses Kondensati-
onsmusters von N-Tetraedern werden im Folgenden
vorgestellt.
gem NH3 in einer Zweischenkelglasapparatur [28] ex-
trahiert. Auf diesem Wege wurden bei den Caesiumver-
bindungen und beim Rubidiumnitridowolframat
Kristalle in Form hexagonaler Prismen oder auch PlaÈtt-
chen erhalten. Die Synthese dieser Verbindungen lieû
sich problemlos reproduzieren. Caesiumnitridomolybdat
ist schwarz, das -wolframat in duÈnnen Schichten dunkel-
rot und die Rubidiumverbindung dunkelbraun. Die Kri-
stalle sind meist stark verwachsen.
Versuche, auf diesem Wege ein entsprechendes Ru-
bidiumnitridomolybdat herzustellen, schlugen fehl.
Nach Entfernen des Rb durch Extraktion mit fluÈssi-
gem NH3 verbleibt ein Produktgemenge aus elemen-
tarem Mo und c-Mo2N.
Bei der Hydrolyse der Nitridometallate an der Luft
entstehen Ammoniak und farblose bis blassgelbe Al-
kalimetalloxometallate(VI) [30].
RoÈntgenographische Untersuchungen an
Rb9+x[W6N15] und Cs9+x[M6N15] mit M = Mo, W
Darstellung von Rb9+x[W6N15] und Cs9+x[M6N15] mit
M = Mo, W
Die meisten und vor allem alle intensitaÈtsstarken Reflexe
auf Guinieraufnahmen (CuKa1) der beiden Cs-Verbindun-
gen lassen sich trigonal rhomboedrisch indizieren. Bei der
Rb-Verbindung ist eine zufriedenstellende Bestimmung der
Reflexlagen wegen starker Ûberlappung durch breite Refle-
xe nicht moÈglich. IntensitaÈtsschwache, nicht indizierbare Re-
flexe gehoÈren wahrscheinlich zu bisher unbekannten Oxoni-
tridometallaten mit niedrigem Sauerstoffanteil.
MolybdaÈn- bzw. Wolframpulver (beide Substanzen:
m5N, grade A1, Johnson Matthey GmbH) reagieren
bei 650 °C in Autoklaven fuÈr Salzschmelzen [29] mit
Gemengen aus Alkalimetallamiden ANH2 und -azi-
den AN3 mit A = Rb, Cs innerhalb von fuÈnf Tagen
zu Alkalimetallnitridometallaten
A9+x[M6N15] mit
Ûber Einkristalle von Rb9+x[W6N15] und Cs9+x[W6N15]
wurden IntensitaÈtsdaten auf einem Vierkreisdiffraktometer
CAD4 mit AgKa-Strahlung, von Cs9+x[Mo6N15] auf einem
Diffraktometer MACH3 (beide GeraÈte, Enraf-Nonius) mit
MoKa-Strahlung bestimmt. Tab. 1 enthaÈlt messtechnische
und kristallographische Daten.
Die Auswertung der DatensaÈtze erfolgte mit den Pro-
grammpaketen NRCVAX [31], SHELXS-86 [32],
SHELXTL-PLUS [33] und SHELX-93 [34]. Zur Struktur-
bestimmung wurden Direkte Methoden und Differenz-Fou-
rier Synthesen genutzt. In Tab. 2 sind Lageparameter und
Parameter isotroper Auslenkung und in Tab. 3 Parameter
M = Mo, W. Rubidium- und Caesiumamid wurden aus
den Metallen (Rb, Cs > 98%, E. Merck) mit NH3
(99,999% Messer-Griesheim) in Autoklaven [28] bei
80±100 °C innerhalb von 2 d hergestellt. CsN3 (99,9%,
Ferak GmbH) wurde aus Wasser umkristallisiert und
RbN3 aus einer waÈssrigen LoÈsung als reziprokes Salz-
paar aus Rb2CO3 (99%, ChemPur GmbH) mit NaN3
(99,9%, Fluka Chemie AG) kristallin erhalten, abfil-
triert, mit 70% Ethanol gewaschen und mehrfach um-
kristallisiert (EntwaÈsserung im Exsikkator uÈber
CaCl2). Das grobkristalline RbN3 wurde anschlieûend
im Vakuum bei 150 °C getrocknet.
Die Metallpulver (Mo, W) wurden ohne weitere
Vorbehandlung fuÈr die Synthesen eingesetzt. Nur
dann erhaÈlt man fuÈr roÈntgenographische Struktur-
bestimmungen geeignete Kristalle. Behandelt man die
Metallpulver bei 900 °C im H2-Strom, um anhaftende
oxidische Verunreinigungen zu entfernen, so erhaÈlt
man ausschlieûlich mikrokristalline Pulver der ent-
sprechenden Nitridometallate. MoÈglicherweise spielen
Oxidnitride bei der Kristallisation eine Rolle.
anisotroper
Auslenkung
zusammengestellt,
bei
Rb9+x[W6N15] und Cs9+x[W6N15] nur fuÈr die schweren Ato-
me der Verbindungen.
FuÈr Rb9+x[W6N15] ergab sich ein relativ groûer interner
R-Wert fuÈr die Messung und Mittelung der Reflexe einer
Halbkugel. Bei einem Symmetrieabbau von R3c nach C2/c
aÈndert sich dieser interne R-Wert um weniger als 1%. Da
die Reflexe sehr breit sind, ist eine eindeutige LoÈsung dieses
Problems bisher nicht moÈglich. Trotz dieses Mangels an der
StrukturaufklaÈrung von Rb9+x[W6N15] werden die Ergebnis-
se der Verfeinerung in R3c hier vergleichend mitgeteilt.
FuÈr die drei Verbindungen ist die unterbesetzte Lage von
A(3) ± Tab. 2 ± auf der Punktlage 6 b in R3c auffaÈllig. Gibt
man die Besetzungsfaktoren der uÈbrigen Alkalimetalllagen
frei, dann tritt keine signifikante Abweichung von einer
Vollbesetzung auf. Auch die MoÈglichkeit, daû zusaÈtzliche
nicht an M gebundene N3±-Ionen eingelagert sein koÈnnten,
wurde uÈberpruÈft. Ordnet man den Ûbergangsmetallen die
Oxidationszahl +6 zu ± was bei den bekannten Nitridometal-
laten fuÈr die Ûbergangsmetallzentren zutrifft ± dann erfuÈllen
Zur EinkristallzuÈchtung wurden jeweils ca. 500 mg
RbNH2 bzw. CsNH2 eingesetzt. Das molare VerhaÈltnis
der Edukte war ANH2 : AN3 : M = 8 : 1 : 1. Das Sub-
stanzgemenge wurde in einem Handschuhkasten unter
Ar in einen Autoklav [29] (V = 7 cm3) gegeben. Nach
beendeter Reaktion wurde das uÈberschuÈssige Alkali-
metall (entstanden durch thermische Zersetzung von
ANH2 zu A + N2 + H2 bzw. AN3 zu A + N2) mit fluÈssi-
640
Z. Anorg. Allg. Chem. 2000, 626, 639±644