Die Tieftemperaturkristallstruktur von Trimethylsilanol
The Low Temperature Crystal Structure of Trimethylsilanol
Rolf Minkwitz*, Stefan Schneider
Universität Dortmund, Fachbereich Chemie, Anorganische Chemie,
Postfach 50 05 00. D-44221 Dortmund
Z. Naturforsch. 53 b, 426—429 (1998); eingegangen am 5. Dezember 1997
Trimethylsilanol. Preparation, Crystal Structure
A preparation of trimethylsilanol by hydrolysis of bis(trimethylsilyl)carbonate in diethylether
at -20 °C is reported. At -80 °C, the crystals are monoclinic, space group P2,/c, Z = 12 with
cell dimensions a = 996.0(2) pm, b = 1730.2(3) pm, c = 1122.9(2) pm, ß = 96,61(3)°. There are
three independent Me3SiOH units with a slightly distorted tetrahedral C3SiO core structure.
chung wurde an einem Nonius Kappa CCD-( 1152x1242
Einleitung
Pixel)-Diffraktometer bei -80°C durchgeführt. Die Be-
stimmung der kristallographischen Daten erfolgte nach
den üblichen Methoden unter Verwendung der DENZO-
und SCALEPACK-Software [12, 13]. Die Reflexinten-
sitäten wurden mit graphitmonochromatisierter M oKa-
Strahlung (A = 0.71069 A) gemessen.
In den letzten Jahren hat sich eine ganze Rei-
he von Arbeiten mit Organosilanolen, R3SiOH,
beschäftigt. Unter anderem versuchte man, durch
schwingungsspektroskopische Untersuchungen zu
klären, wie sich verschiedene Einflüsse wie z. B.
Lösungsmittel oder Größe des organischen Restes
R auf die Struktur auswirken [1 -6]. Durch die
Wechselwirkungsmöglichkeiten einer OH-Gruppe
als Protonendonator oder -akzeptor kommt es in
der Regel zur Ausbildung von inter- oder intra-
molekularen Wasserstoffbrückenbindungen. Daher
wuchs auch das Interesse an Strukturuntersuchun-
gen von Festkörpern der allgemeinen Zusammen-
setzung R3SiOH [7 - 9]. Durch die Hydrolyse von
Me3Si0C(=0)0SiM e3 in Diethylether bei -20 °C
erhielten wir für eine Strukturuntersuchung geeig-
nete Einkristalle von Me3SiOH, deren Tieftempe-
raturkristallstruktur bestimmt werden konnte.
Darstellung von Trimethylsilanol
Nach Lit. [14] wird KOSiMe3 (ABCR) in Diethy-
lether bei -20 °C mit C 0 2 und anschließend tropfen-
weise mit Me3SiCl umgesetzt. Nach einer Reaktions-
dauer von 20 min werden die unlöslichen Bestandtei-
le unter Schutzgas (N2) abfiltriert. Der als Lösungs-
mittel eingesetzte Diethylether wird bei -20 °C mit
einem Stickstoffstrom abgedampft. Hierbei wird das
zunächst gebildete (Me3SiO)2CO durch die mit dem
Stickstoffstrom eingebrachte Feuchtigkeit zu Trime-
thylsilanol hydrolysiert, das durch IR- und Raman-
Spektroskopie nachweisbar ist. Es kristallisiert in farblo-
sen Quadern aus der Lösung aus. IR- und Raman-Daten
von festem Me3SiOH (cm-1): IR: 2965(m), 2903(m),
1443(m), 1412(w), 1306(w), 1265(vs), 1253(s), 1087(vs),
880(vs), 844(vs), 782(s), 753(s), 688(s), 620(m); Ra-
man (rel. Intensitäten): 2966(81), 2904(100), 1442(4),
1413(2,5), 1269(3,1), 1255(3,4), 880(9), 842(10),
788(3,6), 753(7), 690(8,2), 618(76), 331(5,1), 292(10,6),
250(11), 209(9,6), 143(4,5).
Experimentelles
IR-Spektren wurden mit einem Bruker ifs 113v Spek-
trometer registriert. Spektren von festem Trimethylsilanol
wurden in kühlbaren Küvetten [10] ohne Verreibungsmit-
tel auf einer CsBr-Scheibe bei ca. -40 °C gemessen. Die
Raman-Spektren wurden in mit flüssigem N2 kühlbaren
Glasküvetten [11] auf einem Gerät T64000 (ISA) mit
CCD-Detektor (EEV CCD115-11) und einem Ar+-Laser
(514.5nm) von Spectra Physics aufgenommen. Einkri-
stalle wurden in einem N2-Kaltgasstrom in Lindemann-
Kapillaren gefüllt. Die Einkristallröntgenstrukturuntersu-
Ergebnisse und Diskussion
Bildung und Stabilität
Die erste Reindarstellung von Trimethylsila-
nol erfolgte durch Hydrolyse von Me3SiNHSiMe3
* Sonderdruckanforderungen an Prof. Dr. Rolf Minkwitz.
K
0939-5075/98/0400-0426 $ 06.00
© 1998 Verlag der Zeitschrift für Naturforschung. All rights reserved.
Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services
Authenticated
Download Date | 6/30/15 7:09 AM