Kristallstruktur von Bromnitrat BrONC>2
Crystal Structure of Bromine Nitrate BrONO?
Rolf Minkwitz*, Thomas Hertel
Universität Dortmund, Fachbereich Chemie, Anorganische Chemie,
Postfach 50 05 00, D-44221 Dortmund
Z. Naturforsch. 52 b, 1307-1310 (1997); eingegangen am 8. August 1997
Crystal Structure, Bromine Nitrate, Chlorine Nitrate
The crystal structure of bromine nitrate BrONO, has been determined on a single crystal
with MoKq radiation at -83°C. The structure is orthorhombic, space group P2,2 ,2 ,, Z = 4,
and the cell dimensions are a = 403.2(2), b = 684.9(4), c = 1201.4(5) pm. An intermolecular
Br.....O contact leads to the formation of chains within the crystal. Attempts to synthesize a
bromine(III)-nitrate by oxidizing CF3Br and CCl3Br with C10N02 were not successful.
Einleitung
Iod beobachtet werden kann [ 1- 3, 6], wurde bis-
her nicht berichtet. Möglichkeiten zur oxidativen
Addition von C10N02 sind bei den Verbindungen
CCl3Br und CF3Br gegeben, da hier eine Spaltung
der stabilen C-Br-Bindung unwahrscheinlich ist und
insbesondere beim CF3Br durch den Einfluß der
CF3-Gruppe bereits eine Positivierung des Brom-
atoms vorliegt.
In der Reihe der Halogennitrate sind von F, CI und
Brjeweils nur die Nitrate des Typs XONO? (X = F,
CI, Br) bekannt, während vom Iod verschiedene Ni-
trate der Oxidationsstufe +III wie z.B. I(0 N 0 2)3
und CF3I(0N 02)2 [ 1 - 3 ] beschrieben sind. Ein
in der Vergangenheit diskutiertes Brom(III)-nitrat
Br(0N 02)3 [4] wurde später von Wilson und Chri-
ste als NÖ?+Br(ONO?)2~ identifiziert [5].
Experimentelles
Die Iod(III)-nitrate können durch Substitution an
Iod(III)-Verbindungen (1) oder durch Oxidation von
Iod(I)-Verbindungen (2) gebildet werden.
Die Darstellung von ClONO? erfolgt nach Schmeißer
et al. [7] aus CIF und Pb(N03)2in einem Edelstahldruck-
behälter bei -78°C.
IC13 + 3 C10N02 -► I(0N 02)3 + 3 Cl2
(1)
Darstellung von B r0N 02
CF3I + 2 C10N02 -> CF3I(0N 02)2 + 2 Cl2 (2)
Die Darstellung von Br0N 02 erfolgt in Abwandlung
der Darstellung von Wilson und Christe [5]. In einem 50
ml-Zweihalskolben mit Rückflußkühler und Tropftrich-
ter mit Druckausgleich werden 5.0 g (51 mmol) C10N02
vorgelegt. Bei einer Temperatur von 25°C werden inner-
halb 1 h 3.0 g (19 mmol) Br2 zugetropft. Der Rück-
flußkühler wird auf -35°C gekühlt, so daß entstandenes
Cl2entweicht, das C10N02aber zurückbleibt. Zusätzlich
wird am Tropftrichter langsam N2eingeleitet, um das Cl2
zu vertreiben. Nach einer Stunde wird auf 0°C abgekühlt
und 1 h bei dieser Temperatur gerührt. Die Trennung er-
folgt durch fraktionierte Kondensation im Vakuum. In
der ersten Kühlfalle (-20°C) verbleibt eine kleine Menge
NO?+Br(ONO?)?_ , in der zweiten (-50°C) das gebildete
BrONO?, in der dritten (-196°C) werden B r0N 02 und
C10N02 und CI? ausgefroren. Die Ausbeute dieser Re-
aktion beträgt max. 50%, bezogen auf das im Unterschuß
eingesetzte Br2.
Bromnitrat BrONO? entsteht durch Reaktion von
Br2 mit C10N02 (3).
Br2 + 2 C10N02
2 B r0N 02 + Cl2
(3)
Aus dem Schwingungsspektrum von festem
Br0N 02 schlossen Wilson und Christe [5]
auf eine Struktur mit verbrückenden N(0)-Br-
Kontakten. Die Ausbildung solcher Halogen-
Sauerstoff-Kontakte konnten wir ebenfalls beim
CF3I(ONO?)2 [3] beobachten. Einen Beweis für das
Vorliegen solcher Kontakte beim BrONO? sollte ei-
ne Kristallstrukturanalyse liefern. Über eine oxida-
tive Addition von C10N02 an Brom, wie sie beim
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