D. Fischer, Z. Cancarevic, J. C. Schön, M. Jansen
tion im K N-System. Dieses Ergebnis steht in gutem Ein-
3
klang mit Erfahrungen aus früheren Arbeiten mit diesem
Präparationsverfahren, wo z.B. für Na N [10] eine Modifi-
3
kation mit sehr geringer Dichte im anti-ReO -Strukturtyp
3
gefunden wurde (p (HF) ഠ Ϫ1 GPa), oder für AgNO [9,
int
3
24] die Hochtemperaturphase synthetisiert wurde, die eine
geringere Dichte als die bei tiefen Temperaturen thermody-
namisch stabile Phase aufweist.
Diese Ergebnisse lassen sich entsprechend der Ostwald’-
schen Stufenregel [25] interpretieren, welche das Auftreten
von metastabilen Modifikationen unter bestimmten Rand-
bedingungen der Versuchsführung (z.B. beim Abkühlen aus
einer Schmelze, deren Dichte geringer als die der möglichen
kristallinen Festkörpermodifikationen ist) erwarten läßt.
Da in der von uns verwendeten Synthesemethode sich zu-
nächst eine amorphe Phase von verhältnismäßig geringer
Dichte bildet, treten lokal bei der Ausformung und dem
Wachstum von Keimen der dichteren kristallinen Phasen
interne negative Drücke auf. Berechnet man nun die Ent-
halpie H der einzelnen Modifikationen für diese negativen
Drücke (bei den sehr niedrigen Synthesetemperaturen spielt
der entropische Anteil der freien Enthalpie G nur eine ge-
ringe Rolle, G ഠ H), so werden bei vergleichbaren Energien
der Strukturvarianten diejenigen mit der geringeren Dichte
günstiger. Diese lokale thermodynamische Begünstigung
der Strukturen niedriger Dichte entfällt sobald die Keime
Abb. 4 Röntgenpulverdiffraktogramm der zweiten K/N-Phase
(
253 K); Strichdiagramm für K bei Raumtemperatur.
Literatur
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[7] J. C. Schön, M. A. C. Wevers, M. Jansen, J. Mat. Chem. 2001,
11, 69.
eine Größe V erreicht haben, ab der Oberflächeneffekte
1
nur noch eine geringe Rolle spielen. Daher setzten obige
Überlegungen natürlich voraus, dass ab einer gewissen
Größe V <V die Keime der anti-TiI -Struktur bereits kine-
2
1
3
tisch stabil genug sind, damit keine Umwandlung in die bei
Normaldruck thermodynamisch stabilen Phasen auftritt.
Im Gegensatz zu der oben beschriebenen Phase ist die
Struktur der zweiten K/N-Phase B noch nicht bestimmt.
Zwar läßt sich das Röntgenpulverdiffraktogramm dieser
Phase (bei 253 K) orthorhombisch indizieren, mit a ϭ
[8] M. Jansen, Angew. Chem. 2002, 114, 3896; Angew. Chem. Int.
Ed. 2002, 41, 3746.
[9] D. Fischer, M. Jansen, J. Am. Chem. Soc. 2002, 124, 3488.
[
10] D. Fischer, M. Jansen, Angew. Chem. 2002, 114, 1831; Angew.
Chem. Int. Ed. 2002, 41, 1755.
[
[
11] J. C. Schön, Z. Cancarevic, M. Jansen, in Vorbereitung.
12] J. C. Schön, M. Jansen, Angew. Chem. 1996, 108, 1358; Angew.
Chem. Int. Ed. Engl. 1996, 35, 1286.
1163 pm, b ϭ 596 pm, c ϭ 718 pm (vgl. Abb. 4). Jedoch
fand sich unter den etwa zwei Dutzend orthorhombischen
Strukturkandidaten bislang keiner, der das gemessene Dif-
fraktogramm befriedigend repräsentieren würde. Weitere
Untersuchungen sind in Arbeit, wobei unter anderem auch
ermittelt werden soll, inwieweit es sich bei dieser Phase tat-
sächlich noch um eine Verbindung der idealen Zusammen-
[
[
13] J. C. Schön, M. Jansen, Z. Kristallogr. 2001, 216, 307 u. 361.
14] R. Hundt, J. C. Schön, A. Hannemann, M. Jansen, J. Appl.
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[15] A. Hannemann, R. Hundt, J. C. Schön, M. Jansen, J. Appl.
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5, 1629.
setzung K N handelt.
3
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[18] J. P. Perdew, Y. Wang, Phys. Rev. B 1986, 33, 8800.
[19] K. R. Tsai, P. M. Harris, E. N. Lassettre, J. Phys. Chem. 1956,
5
Zusammenfassung
6
0, 345.
20] U. Steinbrenner, A. Simon, Z. Anorg. Allg. Chem. 1998, 624,
28.
21] W. Biltz, Raumchemie der festen Stoffe, Verlag Leopold Voss,
Leipzig 1934, S. 238.
[
[
Die hier vorgestellten theoretischen und experimentellen
Untersuchungen am System K/N zeigen, daß wir mit der
Tieftemperatur-Atomstrahlabscheidung eine Verbindung
2
der Zusammensetzung K N erhaltene haben, welche isotyp
3
[22] W. Bronger, R. Kniep, M. Kohout, private Mitteilung.
[23] A. Simon, Coord. Chem. Rev. 1997, 163, 253.
[24] D. Fischer, M. Jansen, Z. Anorg. Allg. Chem. 2003, 629, 1934.
[25] A. F. Hollemann, E. Wiberg, Lehrbuch der Anorg. Chem., 81.-
90. Aufl., W. de Gruyter, Berlin 1976, S. 309.
zu Cs O kristallisiert. Analog zu den Resultaten im Na N-
3
3
System bildet sich beim Tempern bei tiefen Temperaturen
aus den ursprünglich amorphen Abscheidungen diejenige
energetisch tiefliegende kristalline Phase, welche die gering-
ste Dichte aufweist.
[26] E. Zintl, A. Harder, B. Dauth, Z. Elektrochem. 1934, 40, 588.
160
2004 WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, 69451 Weinheim
zaac.wiley-vch.de
Z. Anorg. Allg. Chem. 2004, 630, 156Ϫ160