Chemischer Transport ternärer Oxide in den Systemen Ca/Mo/O und Sr/Mo/O
phase verantwortlich sind, stark vom Sauerstoffpartial-
druck abhängig und bei sehr geringen Drücken ebenfalls
stark erniedrigt.
Prinzipiell ist der Chemischer Transport ternärer Erdal-
kalimolybdänoxide nur möglich, wenn für jede Kompo-
nente des Systems (hier Ca, Mo und O) zumindest ein Gast-
eilchen mit einem Gleichgewichtsdruck >10Ϫ6 bar vorhan-
den ist. Dieses kann anschaulich anhand der Gasphasenlös-
lichkeit, die nach Gleichung (11) definiert ist [22],
entschieden werden:
ste Mengen von CaMo5O8 bei T1 ϭ 1323 K abgeschieden.
Kristalle von Ca5.45Mo18O32 können nicht dargestellt
werden, da aus entsprechenden Bodenkörpern stets die ko-
existierende Phase CaMo5O8 abtransportiert.
Die Voraussagen der Modellrechnungen stimmen gut mit
den experimentellen Ergebnissen überein (Tabelle 3), wenn
man berücksichtigt, dass bei den Berechnungen mit TRAG-
MIN stets nur der erste stationäre Transportzustand be-
rechnet wird. Geringe Mengen an flüssigem CaCl2, die trotz
der kleinen zugegebenen Masse Chlor (<1 mg) meist aus-
kondensieren, werden zuerst gemeinsam mit MoO2 oder
CaMo5O8 abtransportiert. Anschließend folgt der einpha-
sige Transport von MoO2 bzw. CaMo5O8, der das experi-
mentell beobachtete Transportergebnis bestimmt. Modell-
rechnungen mit CVTRANS waren für die hier betrachteten
dreiphasigen Bodenkörperzusammensetzungen nicht immer
möglich, da aufgrund der geringen Aktivitätsunterschiede
der verschiedenen ternären Phasen häufig keine Gleichge-
wichtsberechnung im Auflösungsraum bzw. keine Berech-
nung eines stationären Transportzustandes gelang. Hier
stößt das benutzte Modell und Berechnungsverfahren an-
scheinend an seine Grenzen.
α
A,i pi
͚
p*A
p*L
i
λA
ϭ
ϭ
(11)
α
L,i pi
͚
i
(p*A und p*L sind die Bilanzdrücke der Komponente A
bzw. des Transportmittels oder Inertgases L (z. B. N2), αi
und pi die Stöchiometriezahlen bzw. Partialdrücke der gas-
förmigen Verbindungen).
Bei der von uns gewählten Normierung auf einen kon-
stanten Stickstoffgehalt (L ϭ N, n(N2) ϭ 5·10Ϫ9 mol je Am-
pulle) muss gelten lg(λA) > 0, soll ein experimentell nach-
weisbarer Transport der entsprechenden Komponente über
die Gasphase möglich sein. Abb. 6 zeigt die Gasphasenlös-
lichkeit im Auflösungsraum über CaMoO4 sowie einigen
ausgewählten dreiphasigen Bodenkörpern des Systems. Wie
ersichtlich verändert sich die Gasphasenlöslichkeit des Ca
nur wenig in Abhängigkeit von der Bodenkörperzusam-
mensetzung und wird meist vom CaCl2-Sättigungsdampf-
druck bestimmt. Die Gasphasenlöslichkeit von Mo sinkt
dagegen drastisch mit abnehmendem Sauerstoffpartial-
druck und lässt einen merklichen Transport Mo-haltiger
Verbindungen im Temperaturgefälle 1423 K nach 1323 K
bei Vorlage dreiphasiger Bodenkörper nur aus den Koexi-
stenzgebieten I, II und III erwarten. In den Gebieten V bis
IX sind die Gleichgewichtspartialdrücke der wesentlichen
Mo-tragenden Gasteilchen wie MoO2Cl2(g), MoOCl3(g)
und H2MoO4(g) deutlich <10Ϫ6 bar und lg(λMo) < 0.
Die Ergebnisse der Experimente und Modellrechnungen
zum Chemischen Transport mit dem Transportmittel Cl2
sind in Tabelle 3 zusammengestellt. Ausgehend von Boden-
körpern entsprechend den Koexistenzgebieten I und III
transportiert MoO2 mit Raten von 1 bis 2 mg/h, weitere
Phasen konnten im Abscheidungsraum nicht nachgewiesen
werden. Den Chemischen Transport von MoO2 aus diesen
Koexistenzgebieten beobachtet man auch bereits bei niedri-
geren Abscheidungstemperaturen (T1 ϭ 1173 K, ∆T ϭ
100 K) [18].
Abb. 8 zeigt an zwei Beispielen die Transportwirksamkei-
ten (Gleichung 12) der für den Transportvorgang wesentli-
chen Gasteilchen (p*N ist der Bilanzdruck von 5·10Ϫ10 mol
N2).
pi
pi
wi ϭ
Ϫ
(12)
΄ ΅ ΄ ΅
T2
T1
p*N
p*N
Wie ersichtlich ist das eigentliche Transportmittel HCl,
das durch Reaktion des zugegebenen Chlors mit dem
Feuchtigkeitsgehalt der Transportampulle gebildet wird.
Das Transportverhalten für Bodenkörper des Koexistenzge-
bietes II (Abscheidung von CaMo5O8 und CaCl2) kann
durch die formale Transportgleichung (13) und durch die
Gleichung der Destillation des CaCl2(l) (14) beschrieben
werden (Abb. 8a):
CaMo5O8(s) ϩ 12 HCl(g) ϩ 2 H2O(g) p
CaCl2(g) ϩ 5 MoO2Cl2(g) ϩ 8 H2(g) (13)
CaCl2(l) p CaCl2(g)
(14).
Der Chemische Transport des MoO2 aus Koexistenz-
gebietes III erfolgt, wie aus Abb. 8b ersichtlich, nach Glei-
chung (15):
MoO2(s) ϩ 2 HCl(g) p MoO2Cl2(g) ϩ H2(g)
(15).
Kristalle der Verbindung CaMo5O8 können ausgehend
von Bodenkörpern des Koexistenzgebietes II (CaMoO4/Ca-
Mo5O8/Ca5.45Mo18O32) abgeschieden werden. Die Phase
fällt in Form schwarzer unregelmäßiger Kristalle von bis zu
0.3 mm Größe an (Abb. 7). Häufig beobachtet man zusätz-
lich geringe Mengen MoO2, das meist stäbchen- oder blätt-
chenförmig vorliegt, sowie gelegentlich einige Kristalle von
CaMoO4. Im Koexistenzgebiet IV ist die Gasphasenlöslich-
keit des Mo deutlich geringer, als Folge werden nur gering-
Ein Chemischer Transport der weiteren Calciummolyb-
dänoxide (CaMoO3, Ca1.24Mo1.01O3) mit Chlor (bzw. HCl)
ist aufgrund der niedrigen Gasphasenlöslichkeit des Mo in
den entsprechenden Koexistenzgebieten (V bis IX) nicht
möglich. Brom oder Iod sind wegen der im Vergleich zu
MoO2Cl2 geringeren Stabilität der entsprechenden Molyb-
dänoxidhalogenide noch weniger geeignet. Andere halogen-
Z. Anorg. Allg. Chem. 2006, 1257Ϫ1266
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