Kristallzucht und Strukturverfeinerung von Quecksilber(II)-amid-chlorid ± HgClNH2
Ê
Tabelle 4 AbstaÈnde (in A) und Winkel (in °) in HgClNH2
Hg±N
Hg±Cl
N±H
N(±H) ´ ´ ´ Cl
2 ´ 2,075(4)
4 ´ 3,093(1)
2 ´ 0,98(12)
2 ´ 3,322(6)
N±Hg±N
Hg±N±Hg
H±N±H
180
107,9(4)
87(10)
176(9)
N±H ´ ´ ´ Cl
suchungen richtig ermittelt worden [4]. Daher sei hier
auch auf die dort gebrachten AusfuÈhrungen zur Dis-
kussion der Kristallstruktur verwiesen.
Abbildung 1 zeigt Zick-Zack-Ketten 1 [Hg(NH2)2/2]+.
1
Die bezuÈglich N lineare Koordination von Hg ist durch
4 Cl ergaÈnzt. Dadurch resultieren stark verzerrte Okta-
eder, die entlang [100] flaÈchen-, entlang [010] kanten-
Abb. 3 Beziehung der Elementarzelle von HgClNH2
(Pmma, waagerecht schraffiert) zur CsCl-Anordnung aus Cl
und N (GrundflaÈche einer CsCl-Zelle, gepunktet). Die Hg-
und N-Atome liegen auf y = 0, die H-Atome auf y = ± 0,16
und die Cl-Atome auf y = 1/2.
verknuÈpft sind und Schichten 2 [HgCl4/4(NH2)2/2] par-
1
allel (001) bilden. Diese Schichten sind untereinander
Ê
durch kurze N±H ´ ´ ´ Cl-Kontakte (3.322(6) A) verbun-
den, fuÈr die ein wasserstoffbruÈckenartiger Bindungscha-
rakter naheliegt (Abbildung 2, Tabelle 4).
Die besondere Rolle der Hg±N- gegenuÈber anderen
Metall±N-Bindungen zeigt sich in einem Vergleich mit
Kristallstrukturen analoger Verbindungen. Zwar sind
keine Strukturanalysen anderer Amid-Halogenide
eines zweiwertigen Metalls bekannt, zum Vergleich
koÈnnen jedoch Ammine der Zusammensetzung
M(NH3)2Cl2 (M = Mg [11], Mn±Co [11], Ni [13]) her-
angezogen werden: Auch hier ist M zweifach durch N
und vierfach durch Cl koordiniert. In Ni(NH3)2Cl2 ist
Wir danken dem Fonds der Chemischen Industrie und der
Deutschen Forschungsgemeinschaft fuÈr die UnterstuÈtzung
dieser Arbeit mit Sachbeihilfen.
Literatur
[1] D. Breitinger, K. Brodersen, Angew. Chem. 1970, 82,
379; Angew. Chem., Int. Ed. Engl. 1970, 9, 357.
[2] G. Jander, E. Blasius, Lehrbuch der analytischen und
praÈparativen anorganischen Chemie, S. Hirzel Verlag,
Leipzig, 1988.
Ê
der Ni±N-Abstand mit 2,09 A sehr aÈhnlich dem hier
gefundenen. Dagegen unterscheiden sich die AbstaÈn-
[3] C. H. MacGillavry, J. M. Bijvoet, Z. Kristallogr. 1936,
Ê
Ê
de Ni±Cl und Hg±Cl mit 2,51 A und 3,09 A erheblich.
Darin druÈckt sich zum einem die starke AffinitaÈt von
Hg2+ zu N als Elektronendonator aus, andererseits die
Tendenz von Hg2+ zu einer niedrigen Koordination.
So enthaÈlt festes HgBr2 stark verzerrte CdI2-artige
Schichten unter Ausbildung von zwei kurzen und vier
langen Hg±Br-AbstaÈnden [14].
94, 231.
[4] W. N. Lipscomb, Acta. Crystallogr. 1951, 4, 266.
[5] W. RuÈdorff, K. Brodersen, Z. Anorg. Allg. Chem. 1952,
270, 145.
[6] W. N. Lipscomb, Analyt. Chem. 1953, 25, 737.
[7] L. Nijssen, W. N. Lipscomb, Acta Crystallogr. 1952, 5, 604.
[8] Th. Hahn (Ed.), International Tables for Crystallogra-
phy, Vol. A, Space Group Symmetry, Kluwer Academic
Publishers, Dordrecht, 1995.
[9] G. M. Sheldrick, SHELXS 86, Program for crystal struc-
ture solution, University of GoÈttingen, 1986.
[10] G. M. Sheldrick, SHELXL 93, Program for crystal struc-
ture refinement, University of GoÈttingen, 1993.
[11] A. Leineweber, M. W. Friedriszik, H. Jacobs, J. Solid
State Chem. 1999, 147, 229.
[12] A. Leineweber, M. W. Friedriszik, H. Jacobs, R. Eû-
mann, G. BoÈttger, F. Fauth, P. Fischer, Z. Kristallogr.
Suppl. 1999, 16, 46.
Abbildung 3 zeigt eine Projektion der Kristallstruk-
tur auf (010), die die erwaÈhnten Oktaederschichten er-
kennen laÈût. Angedeutet ist zusaÈtzlich der Zusam-
menhang der Anordnung von N und Cl mit einer
CsCl-Struktur. Diese ist partiell durch Hg aufgefuÈllt.
Dabei nehmen N und Cl die Rolle von Ti und Ca in
der Perowskitstruktur ein, und Hg besetzt geordnet
1/3 der O-Positionen. FuÈr HgBrNH2 ist neben einer
zu HgClNH2 isotypen Modifikation [7], mit bezuÈglich
Hg geordneter Struktur auch eine bezuÈglich Hg unge-
ordnete bekannt [5]. Darauf wird in [15] mit thermo-
dynamischen Untersuchungen eingegangen.
[13] A. Leineweber, H. Jacobs, J. Solid State Chem. 2000,
152, 381.
[14] V. I. Pakhomov, A. V. Goryunov, I. N. Ivanova-Korfini,
A. A. Boguslavskii, Sh. R. Lotfullin, Zh. Neorg. Khim.
1990, 36, 2476.
[15] R. D. Worswick, D. F. Mayers, L. A. K. Staveley, J. Chem.
Soc. Farad. Trans. 1971, 539.
[16] W. Bronger, H. U. Kathage, J. Alloys Compds. 1992, 184, 87.
Abschlieûend sei noch darauf hingewiesen, daû
HgClNH2 bezuÈglich der Lage der nicht-H-Atome
punktlagengleich mit den Verbindungen RbAuTe bzw.
CsAuTe [16] ist (Hg ® Au, Cl ® Rb/Cs, Te ® N).
Z. Anorg. Allg. Chem. 2000, 626, 2143±2145
2145