Tieftemperaturuntersuchung von Wasserstoffbrückenbindungen in Lithiumtetrahydroxoborat
1
1
Tabelle 1 Messtechnische und kristallographische Daten zur gleichzeitigen Verfeinerung von Neutronenpulver- (Li B(OD)
und Röntgeneinkristalldaten (LiB(OH) , Mach 3, Enraf-Nonius, MoKα-Strahlung) erhalten bei 298 K.
4
, Rotax, ISIS)
4
Raumgruppe
Pbca (Nr. 61)
Methode:
Röntgen
Neutronen
Formeleinheiten Z
Zellparameter / A
8
Bankposition
Messbereich
28°
122°
˚
˚
˚
a ϭ 7,9566(6)
b ϭ 8,5301(4)
c ϭ 9,1708(5)
V ϭ 622,44(4)
73
30
40
2θ ϭ 3-66°
d ϭ 1,0Ϫ8,0 A
d ϭ 1,0Ϫ3,14 A
Reflexanzahl
Messvariablen
Profil
Gerät
Untergrund
Gütefaktoren
1238
315
22
6
3
13
245
22
6
Volumen der EZ / A3
Modellvariablen
Lageparameter
Therm. Auslenkungs-
parameter
˚
3
13
R
R
wR
int ϭ 0,032
R
p
ϭ 0,038
ϭ 0,047
R
p
ϭ 0,037
2
Zellparameter
3
B
(F
(F
o
) ϭ 0,059
) ϭ 0,077
wR
p
(F
wR ϭ 0,048
p
2
2
2
B
o
R
B
o
) ϭ 0,022
B o
R (F ) ϭ 0,069
die Verschiebung der Streckschwingungsfrequenzen in Ab-
hängigkeit von der Temperatur dargestellt. In den Abbil-
dungen 1 und 3 ist der Verlauf der Frequenzen der drei
stärksten Raman-Linien der gekoppelten Streckschwingun-
gen gezeigt. In Abbildung 2 ist der Verlauf von vier entkop-
pelten, lokalen Streckschwingungsmoden der vier kristallo-
graphisch (siehe Röntgen- und Neutronenbeugung) unter-
schiedlichen OϪD-Gruppen O(1)ϪD(1) bis O(4)ϪD(4)
gezeigt. Die beiden an den stärksten Wasserstoffbrücken-
bindungen beteiligten Atome H(3) und H(4) mit den zuge-
hörigen Hydroxidionen können den beobachteten Streck-
schwingungsfrequenzen (vgl. Abbildung 1) nicht getrennt
zugeordnet werden, da die Unterschiede in der Bindungs-
stärke zu gering sind. In Abbildung 4 sind nur für die zwei
an schwächeren H-Brücken beteiligten OH-Gruppen ermit-
telte Daten aufgetragen, da die Lagen der beiden Banden
ν(O(3)ϪH(3)) und ν(O(4)ϪH(4)) hier aufgrund des schlech-
ten Signal zu Untergrund-Verhältnisses nicht zu bestim-
men waren.
Tabelle 2 Lageparameter und Parameter isotroper thermischer
Auslenkung (Koeffizienten der Parameter anisotroper Auslenkung
1
1
wurden für Li, B, O(1) bis O(4) ermittelt [10]). Aus der gemeinsa-
men Verfeinerung von Neutronenpulver- und Röntgeneinkristall-
daten Ϫ vgl. Tabelle 1 Ϫ für Lithiumtetrahydroxoborat.
Atom
Punktlage
x
y
z
B / A2
Li
B
8c
8c
8c
8c
8c
8c
8c
8c
8c
8c
0,3695(3)
0,1706(2)
0,0657(1)
0,2050(1)
0,0777(1)
0,3362(1)
0,1321(7)
0,1063(5)
0,4901(7)
0,4176(9)
0,1278(3)
0,3346(2)
0,1903(1)
0,0855(1)
0,4420(1)
0,2905(1)
0,1076(5)
0,0387(5)
0,3813(5)
0,2864(6)
0,3027(2)
0,0926(2)
0,0753(1)
0,4531(1)
0,1894(1)
0,1537(1)
0,0389(5)
0,4155(7)
0,2662(6)
0,0744(7)
0,95(6)
1,3(1)
11
O(1)
O(2)
O(3)
O(4)
D(1)
D(2)
D(3)
D(4)
1,12(5)
1,28(5)
1,03(5)
1,02(5)
3,6(2)
4,2(2)
3,9(2)
5,3(2)
Tabelle 3 Ausgewählte Abstände mit Standardabweichungen in
˚
Ϫ1
Klammern in A und zugeordnete Streckschwingungsfrequenzen
ν(OϪD) in cm für Lithiumtetrahydroxoborat.
Die Frequenzverschiebung der unterschiedlichen OH-
O(1)
O(2)
O(3)
O(4)
ν(O-D)
1
1
Gruppen ist bei Deuterierung von Li B(OH) sehr unter-
4
Li
B
D(1)
D(2)
D(3)
D(4)
1,993(2)
1,495(2)
0,943(3)
1,935(2)
1,476(2)
2,239(3)
0,946(3)
1,941(2)
1,474(2)
1,966(2)
1,481(2)
schiedlich: Für die Raman-Linie bei niedrigen Wellenzahlen
ist der für die gekoppelte Mode bestimmte Wert 1,3395(6)
2584
2531
2452
1
/2
1/2
1,936(4)
0,959(3)
(
(µ(OH)/µOD)
ϭ 1,3744 ϭ (17/9) , µ ϭ reduzierte
1,779(3)
0,974(3)
Masse) für die beiden anderen Linien ergeben sich 1,3477(4)
und 1,3523(4). Für die entkoppelten Moden konnte die Fre-
quenzverschiebung nur für die beiden schwächeren Wasser-
stoffbrückenbindungen mit 1,3493(6) und 1,3532(5) be-
stimmt werden. Die deutlich unterschiedlichen Werte für
die Frequenzverschiebungen bestätigen unterschiedlich
starke H/D-Brücken der kristallographisch vorhandenen
vier Hydroxidgruppen. Eine Zuordnung der Verschiebun-
gen der vier Gruppen war erst nach Neutronenbeugungs-
1,821(2)
·
2441
Vanadium-Küvetten [10] durchgeführt. Ein Datensatz eines
Einkristalls von LiB(OH)4 wurde an einem Vierkreisdif-
fraktometer (Mach 3, Enraf-Nonius) mit MoKα-Strahlung
aufgenommen. In Tabelle 1 sind zu beiden Meßmethoden
technische und kristallographische Daten zur gleichzeitigen
Verfeinerung von Neutronenpulver- und Röntgeneinkri-
stalldaten mit dem Programmpaket GSAS [11] angegeben.
In Tabelle 2 sind dabei erhaltene Lageparameter und Para-
meter isotroper thermischer Auslenkung aufgelistet.
1
1
untersuchungen an Li B(OD) -Pulver möglich. Die
4
Genauigkeit der aus Röntgeneinkristalldaten ermittelten H-
Lagen von LiB(OH) reicht hierfür nicht.
4
Die Kombination beider Beugungsmethoden ergibt ver-
nünftige Lageparameter der einzelnen Atomarten, denn
z.B. die Abstände d(OϪD) werden im Erwartungsbereich
Röntgen- und Neutronenbeugung
1
1
˚
An Li B(OD) wurden TOF-(time-of-flight)-Messungen
normaler Bindungslänge mit 0,943 (3) A Յ d(OϪD) Յ
4
˚
an der Spallationsquelle ISIS des Rutherford-Appleton-
Laboratory am Instrument Rotax an Pulverproben in
0,947 (3) A für O(1)ϪD(1) bis O(4)ϪD(4) berechnet und
nicht Ϫ wie für Röntgenbeugung bekannt Ϫ zu kurz und
Z. Anorg. Allg. Chem. 2006, 871Ϫ875
2006 WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim
www.zaac.wiley-vch.de
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