T. Herntrich, K. Merzweiler
ARTICLE
Die Elementaranalysen fertigte das Mikroanalytische Labor der Uni-
versität Halle mit einem CHNS-932 (LENCO) an. Die NMR-Spektren
wurden mit den Geräten Gemini 2000 und Unity 500 der Firma Varian
gemessen. Für die Aufnahme der IR-Spektren standen die Geräte Matt-
son 5030 und Bruker Tensor 27 zur Verfügung.
trans-[(Ph3SnO)4Te(OH)2] (1): Ph3SnOH (4.40 g, 12 mmol) und
Te(OH)6 (0.69 g, 3 mmol) wurden in Ethanol (75 mL, 96 %) suspen-
diert und für sechs Stunden unter Rückfluss erhitzt. Nach dem Abdes-
tillieren des Lösungsmittels im Vakuum konnte der farblose Rückstand
aus Dichlormethan, Benzol oder Toluol umkristallisiert werden. Ver-
bindung 1 wurde dabei in Form klarer prismatischer Kristalle erhalten.
Ausbeute: 2.92 g (60 %). Schmelzpunkt: 204–208 °C. C72H62O6Sn4Te
(1625.7) Analyse: gef.: C 53.09, H 3.92, ber.: C 53.20, H 3.84 %.
119Sn NMR (C6D6), δ = –114.2, 2J(119Sn–125Te) = 379 Hz; 125Te NMR
(C6D6), δ = 751.4. IR (KBr): 3553 (m), 3047 (m), 1480 (w), 1427 (m),
1075 (w), 1003 (w), 734 (s), 697 (m), 608 (m), 500 (m), 446 (m), 350
(w) cm–1.
Abbildung 3. Vergleich der Molekülstrukturen der beiden kristallogra-
phisch unabhängigen Moleküle in 2.
kül 2 123.1(3)° betragen. In beiden kristallographisch unab-
hängigen Molekülen sind die Methoxygruppen so angeordnet,
dass zwei Methylgruppen [C(19) u. C(20)] oberhalb und zwei
Methylgruppen [C(19') u. C(20')] unterhalb der aus dem Tellu-
ratom und den vier Sauerstoffatomen der Methoxygruppe auf-
gespannten Ebene liegen. Ein Vergleich der Strukturen der bei-
den symmetrieunabhängigen Moleküle 1 und 2 zeigt, dass die
unterschiedlichen Konformationen im Wesentlichen auf die
Anordnung der Phenylgruppen zurückzuführen sind, während
die übrigen Baugruppen nahezu identische Orientierungen auf-
weisen. Besonders auffällig ist die unterschiedliche Anordnung
der Phenylgruppen im Fall der Phenylgruppe I zu erkennen
(Abbildung 3). Hier unterscheiden sich die Torsionswinkel O–
Sn–C(Ph)–C(Ph) in beiden Molekülen um nahezu 90°. Etwas
geringer fällt der Unterschied der Torsionswinkel bei der Phe-
nylgruppe II aus (ca. 10°) und für die verbleibende Phenyl-
gruppe III findet man in beiden Molekülen praktisch identische
Orientierungen.
trans-[(Ph3SnO)2Te(OMe)4] (2): trans-[(Ph3SnO)4Te(OH)2] (1)
(2.0 g, 1.2 mmol) wurde in Methanol (100 mL) suspendiert und meh-
rere Stunden unter Rückfluss erhitzt. Die Verbindung ging dabei lang-
sam in Lösung. Aus der filtrierten Reaktionslösung schieden sich beim
Abkühlen auf 4 °C farblose Kristalle von 2 ab. Aus der eingeengten
Mutterlauge fiel in der Kälte 2 zusammen mit dem Nebenprodukt
(Ph3Sn)2O aus. (Ph3Sn)2O wurde durch das IR-Spektrum und durch
einen Vergleich der Gitterkonstanten (CCDC-Refcode: OTPHSN)
identifiziert [10].
Ausbeute: 0.8 g (70 %). Schmelzpunkt: 140–142 °C. Analyse: gef.: C
1
50.01, H 4.49, ber.: C 48.81, H 4.30 %. H NMR (C6D6), δ = 3.42 (s,
CH3), 7.2–7.8 (m, Ph). 13C NMR (C6D6), δ = 51.1, 128.2, 129.4,
136.7, 140.6. 119Sn NMR (C6D6), δ = –106.7, 2J(119Sn–125Te) =
593 Hz. 125Te NMR (C6D6), δ = 747.3, 2J(125Te–119Sn) = 593,
2J(125Te–117Sn) = 567 Hz. IR (KBr): 3059 (m), 3014 (w), 2963 (m),
2927 (m), 2900 (sh), 2823 (m), 1479 (w), 1428 (m), 1077(m), 1018
(s), 764 (s), 736 (s), 697 (m), 558 (m), 502 (m), 447 (m), 337 (w)
cm–1.
Danksagung
Zusammenfassung
Die Autoren danken der DFG (Graduiertenkolleg 894 “Selbstorganisa-
tion durch koordinative und nichtkovalente Wechselwirkungen") für
die finanzielle Unterstützung dieser Arbeit.
In den hier beschriebenen Untersuchungen konnte gezeigt
werden, dass Tellursäure bereits unter milden Bedingungen mit
Triphenylzinnhydroxid reagiert und dabei vier der aciden Was-
serstoffatome durch Ph3Sn-Gruppen substituiert werden. Nach
den Ergebnissen der Kristallstrukturanalyse enthält das Reakti-
onsprodukt [(Ph3SnO)4Te(OH)2] (1) ein oktaedrisch koordi-
niertes Telluratom mit einer trans-Anordnung der OH-Grup-
pen. In siedendem Methanol reagiert 1 unter Abspaltung von
Wasser und Bis(triphenylzinn)oxid zu [(Ph3SnO)2Te(OMe)4]
(2). In Verbindung 2 ist das Telluratom verzerrt oktaedrisch
von vier OMe- und zwei trans-ständigen OSnPh3-Gruppen
umgeben. Im Rahmen der laufenden Arbeiten soll untersucht
werden, ob die für 1 und 2 gefundenen Synthesen auch auf
weitere Triorganozinntellurate übertragen werden können.
Literatur
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2572.
Experimenteller Teil
Ph3SnOH wurde nach einer Literaturvorschrift aus Ph3SnCl und NaOH
synthetisiert [9], Tellursäure wurde von FLUKA bezogen und ohne
weitere Reinigung eingesetzt.
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Z. Anorg. Allg. Chem. 2010, 803–807