U. Steiner, W. Reichelt
2.2 Ni2Mo3O8
Über die Synthese und den Stabilitätsbereich von
Ni2Mo3O8 gibt es in der Literatur unterschiedliche, sich teil-
weise widersprechende Angaben. McCarroll u.a. [4] synthe-
tisierten die Verbindung bei 1323 K bis 1423 K aus NiO
und MoO2 bzw. MoO3 und Mo. Versuche von Jacob u.a.
[5] sowie von Pejryd [7] zur Darstellung der Phase bei Tem-
peraturen zwischen 1373 K und 1500 K waren nicht erfolg-
reich, auch die im System Ni/Mo/O von diesen Autoren im
Temperaturbereich von 900 K bzw. 850 K bis 1500 K
durchgeführten EMK-Messungen erbrachten keine Hin-
weise zur Existenz von Ni2Mo3O8. Strobel und Le Page [8]
gelang die Synthese von Ni2Mo3O8-Kristallen mittels Che-
mischen Transports mit TeCl4 bei einer Abscheidungstem-
peratur von 1090 K, ein deutlicher Hinweis auf die thermo-
dynamische Stabilität der Verbindung bei dieser Tempera-
tur. Nach Ergebnissen von Morgenstern u. a. [6] existiert
Ni2Mo3O8 bei Temperaturen unterhalb 1400 K.
Wir erhielten röntgenographisch einphasige Pulverpro-
ben von Ni2Mo3O8 durch Temperung von Gemengen aus
NiMoO4 und Mo (Molverhältnis 2:1) in evakuierten
Quarzglasampullen nach fünf Tagen Reaktionszeit bei
1223 K. Versuche zur Darstellung von Ni2Mo3O8 aus NiO
und MoO2 bzw. MoO3/Mo waren dagegen nicht erfolg-
reich. Auch nach mehreren Temperungen (ein Tag 873 K,
fünf Tage 1223 K) mit Zwischenhomogenisierung enthielten
die Produkte Ni2Mo3O8 allenfalls als Nebenphase neben
den Hauptphasen NiO und MoO2.
Zur Eingrenzung der Zersetzungstemperatur von
Ni2Mo3O8 wurden Temperversuche an einphasigen Pulver-
proben in evakuierten Quarzglasampullen bei unterschiedli-
chen Temperaturen durchgeführt. Nach drei Tagen bei
1373 K wurde keine Veränderung der Probe beobachtet, bei
1385 K waren NiO und MoO2 als Nebenphasen nachweis-
bar, bei 1398 K war die Probe nach drei Tagen Temperzeit
vollständig in NiO und MoO2 umgewandelt. Demnach zer-
fällt Ni2Mo3O8 bei etwa 1385 K in die binären Randphasen
NiO und MoO2. Die Zersetzung ist kinetisch gehemmt und
erfolgt langsam. DTA- und DSC-Messungen (Netzsch STA
449C, Aufheizgeschwindigkeit 10 K/min, N2-Strom) zeigen
kein thermisches Signal der Zersetzung. Schreckt man die
Proben nach Ende der Messungen ab und überprüft die
Phasenzusammensetzung mit Röntgenbeugung, ist bis
1473 K Ni2Mo3O8 noch als Hauptphase nachweisbar, erst
nach Messungen bis zu einer Endtemperatur von 1523 K
wurden nur noch die Zersetzungsprodukte NiO und
MoO2 beobachtet.
Abb. 1 DSC-Messung der Phasenumwandlung α-NiMoO4Ǟβ-
NiMoO4
dargestellt. Die erhaltenen Produkte sind zumeist röntgeno-
graphisch phasenrein, gelegentlich waren Spuren von NiO
nachweisbar.
Wie bereits von Slight u.a. [2] beobachtet wurde, durch-
läuft NiMoO4 (analog zu den isotypen Verbindungen
CoMoO4 und FeMoO4) bei etwa 1000 K eine polymorphe
Phasenumwandlung (α-NiMoO4Ǟβ-NiMoO4), wobei sich
3
˚
das Volumen der Elementarzelle um etwa 7 % von 589 A
3
˚
auf 630 A vergrößert bzw. beim entgegengesetzten Vorgang
verringert. Als Folge kommt es beim Abkühlen zum Zerfall
der beim Sintern gebildeten Konglomerate, diese Erschei-
nung bietet insbesondere im Mikroskop einen interessanten
Anblick. Bei Raumtemperatur erhält man ein sehr feines
Pulver hellgrüner Farbe.
In [16] wird die Umwandlungsenthalpie mit ∆Hu
ϭ
1.9 0.2 kcal/mol (8.0 0.8 kJ/mol) angegeben, Morishita
und Navrotsky [3] bestimmten ∆Hu ϭ 5.52 0.11 kJ/mol so-
wie eine Umwandlungstemperatur Tu ϭ 1000 K. Bei den
von uns durchgeführten DSC-Messungen (Netzsch STA
449C, Aufheizgeschwindigkeit 10 K/min, N2-Strom) ergab
sich ein merklich größerer Wert von ∆Hu ϭ 6.5 0.3 kJ/mol
(Mittelwert von 13 Einzelmessungen aus zwei Messreihen),
die Umwandlungstemperatur wurde zu 973 K (Onsettempe-
ratur) bestimmt (siehe Abb. 1). Ergebnisse von Rodriguez
u.a. [28] und eigene Beobachtungen weisen allerdings dar-
auf hin, dass die Phasenumwandlung kinetisch gehemmt ist
und bereits bei etwa 823 K beginnt, wie beispielsweise un-
sere Versuche zur Abscheidung von α-NiMoO4 zeigten
(siehe Kapitel 4.2). Rodriguez u.a. [28] ermittelten eine
Aktivierungsenergie der αǞβ-Umwandlung von etwa
335 kJ/mol. Ursache dieses hohen Wertes ist sicherlich die
Änderung der Sauerstoffkoordination der Molybdänatome
von oktaedrisch (α-NiMoO4) zu tetraedrisch (β-NiMoO4).
Die βǞα-Umwandlung ist ebenfalls kinetisch gehemmt
und erfordert zur vollständigen Bildung von α-NiMoO4
Abkühlen bis nahe Raumtemperatur. Senkt man die
Temperatur nur auf 473 K ab und heizt nach kurzer
Haltezeit erneut auf, wird kein oder nur ein sehr schwaches
thermisches Signal der Phasenumwandlung α-NiMoO4Ǟ
β-NiMoO4 beobachtet.
2.3 Phasendiagramm
Unsere Untersuchungen bestätigen die Ergebnisse von
Morgenstern u. a. [6] zum Phasendiagramm des Systems
(siehe Abb. 2). Von uns nicht betrachtet wurden die
Koexistenzbeziehungen im sauerstoffarmen Gebiet Ni/
MoO2/Mo, die in Abbildung 2 dargestelltenKoexistenzbe-
ziehungen sind der Literatur [6, 15] entnommen. Wie bei
1782
2006 WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim
Z. Anorg. Allg. Chem. 2006, 1781Ϫ1791