J. Pickardt, S. Wiese, L. von Chrzanowski, M. Borowski
(Graphitmonochromator) bei Raumtemperatur untersucht.
Die vorlaÈufige Bestimmung der Gitterkonstanten erfolgte
aus 45 ¹Framesª (Schrittweite 0,3° in x); die endguÈltigen
Konstanten wurden durch Verfeinerung der Reflexe, die aus
der Integration aller Frame-Daten erhalten wurde, ermittelt.
Die Messung erfolgte mit einer Schrittweite von 0,3° in x,
einer ZaÈhlzeit von 5 s pro Frame und einem Kristall-Detek-
tor-Abstand von 3 cm unter Verwendung der Meûpro-
gramms SMART [6]. Die Auswertung erfolgte unter Ver-
wendung des Programms SAINT [7]. Es wurden empirische
Absorptionskorrekturen (SADABS [8]) durchgefuÈhrt.
Die StrukturloÈsung erfolgte mit direkten Methoden
(SHELXS-97 [9]) die Verfeinerung mit SHELXTL [10].
Die Kristalldaten sind in Tab. 1, ausgewaÈhlte BindungslaÈn-
gen und Winkel in Tab. 2±4 zusammengefasst1).
abstand, Tieftemperatur) brachten keine besseren
oder signifikant abweichenden Ergebnisse.
Abb. 1 zeigt die Anordnung dreier Kationen und
eines Anions. Das Iodomercurat-Anion [Hg3I8]2± un-
terscheidet sich von dem in [Hg(cryptand 222)][Hg3I8]
gefundenen Anion [2]. WaÈhrend das [Hg3I8]-Ion in
dieser Verbindung gewinkelt ist (zwei [HgI4]-Tetra-
eder sind uÈber zwei Iodatome, die l2-BruÈcken bilden,
kantenverknuÈpft, das dritte dagegen uÈber ein Iod-
atom, das eine l2-BruÈcke und ein weiteres, das eine
l3-BruÈcke ausbildet) ist das [Hg3I8]-Ion in 1 linear,
die drei (verzerrten) [HgI4]-Tetraeder sind kantenver-
knuÈpft uÈber insgesamt vier Iodatome, die ausschlieû-
lich l2-BruÈcken bilden. Die terminalen Hg±I-Bindun-
gen sind mit LaÈngen zwischen 262,0 und 267,7 pm
(Mittelwert 265,0 pm) erwartungsgemaÈû kuÈrzer als die
Bindungen zwischen den Quecksilberatomen und den
verbruÈckenden Iodatomen, die LaÈngen zwischen 275,4
und 301,8 pm aufweisen (vgl. Tab. 2). In den von uns
untersuchten Verbindungen mit [Hg2I6]-Ionen [4] sind
die terminalen Bindungen mit Mittelwerten (aus vier
Verbindungen gemittelt) von 269,5 pm geringfuÈgig
laÈnger, die verbruÈckenden Bindungen haben einen
Mittelwert von 292,3 pm. In [Hg(cryptand 222)]-
[Hg3I8] sind die LaÈngen der terminalen Hg±I-Bindun-
gen mit 260 bis 266 pm nahezu gleich groû, die
l2-BruÈckenbindungen variieren zwischen 273,6 und
319,8 pm, was jedoch durch die unterschiedliche Bin-
dungssituation bedingt ist. In Cs2Hg3I8 ´ H2O [3]
liegen sowohl terminale als auch l2-verbruÈckende
Iodidionen vor, die terminalen Bindungen haben eine
mittlere LaÈnge von 268,3 pm, die verbruÈckenden lie-
gen zwischen 278,5 und 295,2 pm.
Ergebnisse
1 ist eine Verbindung mit einem neuen diskreten
Octaiodomercurat(II)-Ion. Unseres Wissens ist bisher
lediglich eine Verbindung mit einem diskreten
[Hg3I8]-Ion isoliert worden, der von uns beschriebene
Komplex [Hg(cryptand 222)][Hg3I8] [2]. In der Ver-
bindung Cs2Hg3I8 ´ H2O [3], die formal als Octaiodo-
trimercurat beschrieben wird, liegen keine isolierten
Ionen vor, sondern Schichten, bestehend aus ecken-
verknuÈpften [HgI4]-Tetraedern.
1 kristallisiert in der orthorhombischen Raumgrup-
pe Pbna (Nichtstandardaufstellung von Pbcn, Nr. 60)
mit acht Formeleinheiten in der Elementarzelle. Da-
bei besetzen die Anionen [Hg3I8]2± und eine Kat-
ionensorte [Li(12-krone-4)2]+ (Li1) allgemeine Lagen,
zwei weitere Kationen (mit Li2 und Li3) dagegen spe-
zielle Lagen auf zweizaÈhligen Drehachsen. Die Kat-
ionen zeigen eine Fehlordnung, die erwartungsgemaÈû
fuÈr die allgemeiner Lage geringer ist als fuÈr die Ionen
auf speziellen Lagen; die Atome der Kationen wurden
daher nur isotrop verfeinert, die BindungsabstaÈnde in
den Ringen wurden dabei auf gemeinsame Werte ver-
feinert. Dagegen zeigen die Atome des Anions keiner-
lei Fehlordnung, sie lassen sich einwandfrei anisotrop
verfeinern. Der abschlieûende GuÈtefaktor fuÈr die Kri-
stallstrukturbestimmung ist zwar vergleichsweise hoch,
da jedoch im Wesentlichen nur die Geometrie der
Kationen, nicht jedoch die der Anionen betroffen ist,
kann die in diesem Zusammenhang wichtige Struktur
der Anionen als genuÈgend genau angesehen werden.
Messungen an weiteren Kristallen, bei unterschiedli-
chen Messbedingungen (z. B. veraÈnderter Detektor-
Die [Li(12-krone-4)2]-Kationen besitzen eine Geo-
metrie, die auch bei anderen Verbindungen dieses
Kations gefunden wurden. FuÈr das Kation mit Li1
(vgl. Abb. 1), das die geringste Fehlordnung aufweist,
ergeben sich Li±O-BindungslaÈngen von 223 bis
246 pm (Mittelwert 238 pm). Vergleichbare AbstaÈnde
werden in [Li(12-krone-4)2][ReCl5(CH3CN)] [11] mit
228 bis 258 pm (Mittelwert 244 pm) gefunden, in
[Li(12-krone-4)2][PPh2] [12] betraÈgt der mittlere
Li±O-Abstand 237 pm. Eine weitergehende Diskus-
sion der BindungsverhaÈltnisse in den Kationen ist auf
Grund der Fehlordnung nicht sinnvoll.
Kationen und Anionen sind, aÈhnlich wie auch in 2,
uÈber ±CH ´ ´ ´ I-Wechselwirkungen verknuÈpft, die kuÈr-
zesten AbstaÈnde betragen ca. 320 pm.
Bei der Reaktion von Benzo-15-krone-5 mit LoÈsun-
gen, die HgI2 und KI in unterschiedlichen Konzentratio-
nen enthalten, konnten wir verschiedene Produkte er-
halten. Bei einem VerhaÈltnis HgI2 : KI von 1 : 2, was
einer formalen Zusammensetzung von K2[HgI4] entspre-
chen wuÈrde, bildete sich [K(benzo-15-krone-5)2][Hg2I6],
das bereits an anderer Stelle beschrieben wurde [4]. Bei
einem VerhaÈltnis von 4 : 1, d. h. einem Ûberschuss von
HgI2, konnten wir die Verbindung 2 mit der formalen
1)
Weitere kristallographische Daten zu den Strukturbestim-
mungen fuÈr 1 und 2 wurden beim Cambridge Data Center unter
den Hinterlegungsnummern CCDC-143717 (1), bzw. -143723 (2)
hinterlegt und koÈnnen kostenlos angefordert werden vom
CCDC, 12 Union Road, Cambridge CB2 1EZ, UK [Fax: int.
Code +44(12 23)3 36-0 33, E-mail: deposit@ccdc.cam.ac.uk], Da-
ten fuÈr 3 beim Fachinformationszentrum Karlsruhe, D-76344 Eg-
genstein-Leopoldshafen, unter der Hinterlegungsnummer
CSD-411274.
2098
Z. Anorg. Allg. Chem. 2000, 626, 2096±2102