W. Klein, J. Curda, E.-M. Peters, M. Jansen
˚
2 2 7
Tabelle 5 Ausgewählte Bindungslängen/A und Winkel/° in Ag Te O .
Te(1)ϪO(2)
Te(1)ϪO(3)
Te(2)ϪO(3)
Te(2)ϪO(1)
1,826(15) [2x] Ag(1)ϪO(2)
1,997(10) [4x] Ag(1)ϪO(3)
1,905(10) [4x] Ag(1)ϪO(1)
2,387(15) [2x]
2,549(10) [4x]
2,807(8) [2x]
2,465(11) [4x]
2,805(11) [4x]
i
1,945(7) [2x]
Ag(2)ϪO(2)
Ag(2)ϪO(3)
O(2)ϪTe(1)ϪO(2)ii
180°
O(3)ϪTe(2)ϪO(3)v
180° [2x]
iii
vi
O(2)ϪTe(1)ϪO(3)
86,6(4)° [4x] O(3)ϪTe(2)ϪO(3)
93,4(4)° [4x] O(3)ϪTe(2)ϪO(3)
94,9(6)° [2x] O(3)ϪTe(2)ϪO(1)
85,1(6)° [2x] O(3)ϪTe(2)ϪO(1)
93,4(6)° [2x]
86,6(6)° [2x]
94,8(5)° [4x]
85,2(5)° [4x]
180°
i
vii
viii
O(2)ϪTe(1)ϪO(3)
i
iv
iii
O(3) ϪTe(1)ϪO(3)
i
O(3) ϪTe(1)ϪO(3)
iii
iv
viii
O(3) ϪTe(1)ϪO(3)
180° [2x]
O(1)ϪTe(2)ϪO(1)
Te(2)ϪO(1)ϪTe(2)ix 138,1(10)°
Te(1) ϪO(3)ϪTe(2) 138,8(6)°
x
Symmetrieoperationen: (i) xϪ1/2, Ϫy, zϪ1/2; (ii) x, Ϫy, Ϫz;(iii) xϪ1/2, y,
Ϫzϩ1/2; (iv) Ϫxϩ1/2, Ϫy, zϪ1/2; (v) Ϫ xϩ1/2, Ϫyϩ1/2, Ϫzϩ3/2; (vi)
Ϫxϩ1/2, y, Ϫzϩ3/2; (vii) x, Ϫyϩ1/2, z; (viii) xϩ1/2, Ϫyϩ1/2, Ϫzϩ3/2; (ix)
Ϫx, Ϫyϩ1/ 2, z; (x) Ϫxϩ1/2, Ϫy, zϩ1/2.
Abbildung 1 Ausschnitt aus der Kristallstruktur von Ag
Blickrichtung [010], gezeichnet sind Silberatome und TeO
eder
2
Te
-Okta-
2 7
O ,
6
Wie nach der Zusammensetzung bereits zu vermuten ist,
zeigt die Kristallstruktur markante Parallelen zu der des
Pyrochlors, erkennbar in der Packung der Kationen, deren
Koordination sowie der Gerüststruktur des anionischen
Verbindungsteils. Die Verwandtschaft der Kristallstruktu-
ren wird auch durch kristallographische Beziehungen bestä-
sich die Synthesebedingungen insbesondere in den ange-
wandten Sauerstoffdrücken, während die Ausgangskompo-
nenten und deren Mischungsverhältnis identisch und die
Reaktionszeiten und -temperaturen ähnlich sind. So ist ein
Sauerstoffpartialdruck von 500 MPa notwendig, um Ag2-
Te O aus Ag O und TeO als reine Phase zu erhalten und
¯
tigt, so ist Imma eine Untergruppe von Fd3m, der Raum-
gruppe von Pyrochlor (Abb. 2). Die Struktur eines oxidi-
schen Pyrochlors der allgemeinen Formel A B O OЈ läßt
2
2
6
sich als Kombination von zwei A OЈ- und BO -Oktaeder-
2
7
2
2
2
6
zu stabilisieren, während die beiden Formen von AgTeO3
bei 50 MPa und darunter gefunden wurden. Ag Te O ist
Netzwerken beschreiben, die einander berührungslos
durchdringen. Die A OЈ-Teilstruktur ist dabei baugleich mit
2
2
7
2
ein Isolator und diamagnetisch.
Ag Te O kristallisiert orthorhombisch in der Raum-
gruppe Imma (Nr. 74, Tab. 1). Die Kristallstruktur setzt sich
einer Hälfte der Cuprit- bzw. Ag O- Struktur, die aus zwei
2
identischen, ebenfalls einander durchdringenden Netzen be-
steht. Obwohl dieser Strukturtyp der charakteristischen
Bindungssituation von einwertigem Silber entgegenkommt,
indem eine lineare Koordination der “A“-Kationen durch
verkürzte Abstände zu den 8b-Sauerstoffatomen ermöglicht
wird, ist er bei vollständiger Besetzung aller Lagen für Sil-
berverbindungen (wie auch für sonstige einwertige Katio-
2
2
7
aus einem Netzwerk aus ausschließlich eckenverknüpften
ϩ
TeO -Oktaedern und darin eingelagerten Ag -Ionen zu-
6
sammen (Abb. 1). Die Telluratome besetzen zwei symme-
trisch unabhängige Lagen. Die Te(2)O -Oktaeder bilden
6
über trans-ständige Sauerstoffatome verknüpfte Zickzack-
ketten entlang [100], die über die Te(1)O -Oktaeder dreidi-
nen) nicht verwirklicht. Die Verbindung AgSbO [23] z.B.
6
3
mensional verbunden sind. Während damit sämtliche Te(2)-
Sauerstoffliganden an ein weiteres Telluratom gebunden
sind, weist das Te(1)-Atom zwei nicht verbrückende Sauer-
stoffliganden in trans-Position mit deutlich kürzeren Ab-
ständen zum Telluratom auf (s. Tab. 5). Aus diesem Grunde
kristallisiert tatsächlich in einer Defektvariante dieses Typs
unter Nichtbesetzung der 8b-Lage und ist gemäß Ag Sb O
2
2
6
zu verstehen, in der die erwähnte A OЈ-Teilstruktur nicht
2
ausgebildet wird. Auch Ag Te O kristallisiert unter Ver-
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2
7
meidung dieser Teilstruktur, hier ist ein wesentlicher Unter-
schied in der Umgebung der Sauerstoffatome zu finden. Die
von Sauerstoff besetzte Wyckofflage 8b im Pyrochlor ist
ausschließlich von A-Kationen tetraedrisch umgeben; dies
ist in dieser Form in Ag Te O nicht mehr gegeben, statt-
sind insbesondere die Te(1)O -Oktaeder stark gestaucht.
6
Die in den Lücken der Anionenteilstruktur liegenden Silber-
atome sind von jeweils acht Sauerstoffatomen in Form einer
hexagonalen Bipyramide (Ag(1)) bzw. eines stark verzerrten
Würfels (Ag(2)) umgeben. Ag Te O kristallisiert damit im
2
2
7
dessen sind sämtliche Sauerstoffatome an wenigstens ein
Telluratom gebunden. Als Folge sind die Tetraeder von
2
2
7
Strukturtyp des Weberits, Na MgAlF [11, 12], wo die kri-
2
7
stallographischen Positionen des Tellurs von verschiedenen
Elementen eingenommen werden können. Während dieser
Strukturtyp bei komplexen Fluoriden recht verbreitet ist
eckenverknüpften BO -Oktaedern, wie sie im Pyrochlor-
6
strukturtyp vorkommen (Abb. 3a), in Ag Te O an einer
2
2
7
Stelle aufgebrochen (Abb. 3b), und von den sechs Oktaeder-
zickzackketten entlang der Flächendiagonalen der kubi-
schen Elementarzelle im Pyrochlor (Abb. 4a) werden in der
hier beschriebenen Verbindung nur fünf ausgebildet. Eine
mögliche sechste Kette ist durch Einschub der überzähligen
Sauerstoffatome unterbrochen, wie in Abb. 4b dargestellt
[
13], sind nur relativ wenige Oxide dieses Typs bekannt, die
2
ϩ
5ϩ
zudem ausnahmslos (II,V)-Weberite A 2B O (A ϭ Ca,
2
7
Sr, Ba, Cd, Pb; B ϭ Sb, Bi, Os, U) [14Ϫ21] sind. Der hier
beschriebene (I,VI)-Weberit ist damit das erste Oxid mit
einer davon abweichenden Ladungsverteilung.
1510
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© 2006 WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim
Z. Anorg. Allg. Chem. 2006, 1508Ϫ1513